Elias Schneitter

in New Orleans; c M. Kauz
in New Orleans; c M. Kauz

 

 

 

 

 

 

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Ein gutes Pferd zieht noch einmal - Roman

Kyrene Verlag Wien

 

Ein gutes Pferd zieht noch einmal
Die Erinnerung ist ein Pferd, das morgens auf den Acker geht und abends als Salami nach Hause kommt. Aber auch der Acker erlebt sein Asphalt-blaues Wunder und verwandelt sich innerhalb von Stunden in eine Schnellstraße. 
Elias Schneitter ist der Spezialist für außerordentliche Helden vom Rand der Gesellschaft. Wenn seine Sprache oft grotesk unterkühlt wird, so huldigt er damit dem puren Realismus. In seinen Erzählungen ist nichts aufgeputzt oder abgeschliffen, die Sätze liegen unbehauen herum wie jenes seltene Brachland, auf dem die Figuren ihre Wunschträume mit morschem Holz und Bruchziegel errichten.
„Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ ist ein aus jeglicher Zeit gefallener Satz, den der Vater des Erzählers ausstößt, als er sich zum letzten mal zu einem Kraftakt hinreißen lässt und eine sinnlose Wochenendhütte im späteren Naturschutzgebiet errichtet.
Die „Erzählung“ handelt von den Eltern des Autors, von den Aufbaujahren und Wunderjahren nach dem Krieg, vom pragmatischen Überlebenskampf durch die Jahrzehnte und den Alters-Spinnereien, die letztlich jeden überfallen. Im Mittelpunkt steht ein völlig zurückgenommener Ich-Erzähler, der wahrscheinlich als einziger sich ständig verändert, indem er von den Geschehnissen ungefragt mitgenommen wird.
Während es bei Aufsteigern üblich ist, die eigene Sippschaft zu überhöhen oder gar als adelig aus dem Nichts herzuleiten, begegnen die Menschen rund um den guten „Hugo“ mit sarkastischen Sprüchen. Als jemand einmal meint, dass in dem mütterlichen Namen Gutleben vielleicht etwas Adel in den Genen sein könnte, führt dies zu einer abwehrenden Handbewegung: „Gutleben heißen und nichts zu fressen haben!“ (20) 
Die Erzählung ist als wundersame Chronik aufgebaut, in der es ständig rund geht und worin jeder einzelne Zeitpunkt logisch mit jedem anderen zusammenhängt. Die Lebenslinien der Helden sind nämlich aus der Not heraus entworfen. Unfälle führen zu immer Büro-artigeren Berufen, Schwangerschaften sind ungeliebt und führen zu Kindern, die man mitlaufen lässt, die Karriere ist eine einzige Abfolge von spontanen Richtungswechseln. Als der Erzähler einmal in der Pubertät nach Amerika auswandern will, kehrt er stracks wieder ins Dorf zurück, nachdem der Ferienkurs an einem US-Lake zu Ende ist. 
Stiller Star des Unterfangens, das sich geduldiges Überleben nennt, ist der Vater Hugo, der seinem ungewöhnlichen Namen ein Leben lang dient und einen Hugo aus allem macht. Bei einem Jugend-Unfall schwer verletzt, setzt man ihm eine Silberplatte im Kopf ein, die er ein Leben lang als polierten Ansporn herumträgt. Als Tischler macht er Konkurs, weil er die Arbeitnehmer zu gütig honoriert. Mehrmals „umgeschult auf Bleistift“, endet er im Innendienst und wird jäh in die Pension geschickt, als er nach einem vertuschten Herzanfall auffliegt. Trotz amputierter Finger fräst er sich auf einer kleinen Hobelmaschine durch die Pension und wird immer hinfälliger, bis ihm im Spital der geheime Wunsch erfüllt wird: Er bricht tot zusammen, nachdem er seinem Zimmergenossen noch einen Witz erzählt hat. Es soll schnell gehen, hat er sich immer gewünscht.
Mutter Brunhilde kommt wie die sprichwörtliche Jungfrau zu ihren Kindern, sitzt die Schwangerschaften träge aus und lässt den Kids viel Freiheit, weil es anfangs kein Zuhause gibt. Erst allmählich wird in einem Weinberg ein Haus gebaut und es gibt tatsächlich eine Zeitlang ein sogenanntes goldenes Familienleben. Ihre beste Zeit erlebt sie als Röntgenassistentin, indem sie die Welt bis auf die Knochen röntgt. Ihr kann man schließlich keine Märchen mehr erzählen, vor allem in der Erotik denkt sie glasklar und pragmatisch.
Der Erzähler erlebt diese Familie in Schüben. Ein inniges Verhältnis zum Vater kommt über das sinnlose Projekt Geisterbahn auf. Beim Bau des Wochenendhauses auf der Alm gilt es, eine Materialseilbahn im Stile von Alexis Sorbas zu bedienen. Die Bahn fällt ständig in sich zusammen, und als das Haus schließlich steht, fällt auch dieses der erstbesten Schneelast zum Opfer und bricht ein. 
Die Erzählung hört mit dem Begräbnis des Vaters auf. Der Sohn hat alles erledigt und ist sich nicht sicher, ob die Silberplatte in die Urne gekippt worden ist. Als er die welken Kränze am Friedhof entsorgt, wird er vom Pfarrern angeflegelt: Ah, da kommt der Geschiedene! Noch am selben Tag ist der Kirchenaustritt fällig. Die Kirche ist ein Pferd, das nicht mehr zieht.
Die Chronik vom guten Pferd berichtet vom Leben an der Peripherie. Das Dorf Zirl entwickelt sich zu einem Durchzugsdorf, bei dem nicht einmal mehr das wetter Stehen bleibt, geschweige denn ein Gast. Die Verknüpfung mit dem Weltgeist geschieht eher beiläufig, und dann zieht dieser Weltgeist eher enttäuscht ab, weil es oft nicht seines ist, was da an lustigen Überlebensstrategien jeden Tag gefragt ist. Natürlich ist auch der Alkohol stets willkommen, der bleibt wenigstens und zieht nicht weiter.
Der Autor erzählt zwischen den Zeilen von seinem Geheimrezept: Da er als Jugendlicher stark geschielt hat, musste er an den Dingen immer vorbei schauen, um sie halbwegs zu sehen. Diese ungewollte Bereicherung des Gesichtsfeldes führt dann auch zu Erlebnissen, die sich nicht planen lassen. Als er in New York in einem Hotel eine Woche lang auf den Rückflug wartet, macht er seinen Zimmerkollegen nervös, weil er nie aus dem Zimmer geht und sich eine Woche lang die Wahl zur Miss Amerika anschaut. Doch einmal verlässt er das Zimmer und wohnt einen Stock tiefer einem Spontan-Konzert mit zwei Gitarristen bei. Am Morgen stellt sich heraus, dass es eine geheime Session von Cat Stevens gewesen ist. - Das ist dieser Beat, der nur geerdeten Adeligen zuteil wird.
Zu dieser Erzählung passt auch die Verlagsgeschichte des Kyrene-Verlags. Nach knapp zwei Jahrzehnten stellt er seine Tätigkeit ein. Ein gutes Pferd zieht noch einmal.

 

Elias Schneitter: Ein gutes Pferd zieht noch einmal. Erzählung.
Wien, Innsbruckl: Kyrene 2019. 115 Seiten. EUR 14,90. ISBN 978-3-902873-67-5.
Elias Schneitter, geb. 1953 in Zirl, lebt in Zirl und Wien.
Helmuth Schönauer 30/01/20

 

Jetzt bereits in 2. Auflage!!!!!

 

Wie geht's - Gedichte

v. Elias Schneitter

 

Der Allerweltsgruß »Wie geht’s« wächst sich in den Gedichten von Elias Schneitter zu einer Drohung aus. Der Alltag bestimmt die Texte, die handfest und mit klarer Sprache gearbeitet sind.


Paperback, 52 Seiten. Mit einer Nachbemerkung von Helmuth Schönauer. ISBN 978-3-936271-91-1, 12 Euro

Erhältlich im Buchhandel, im Online-Shop des gONZoverlags oder direkt bei der Stadtlichter Presse.
 
Stadtlichter Presse
Wennerstorfer Kirchweg 65
21279 Wenzendorf

Tel.: 0 41 65-8 11 69
post@stadtlichterpresse.de
www.stadtlichterpresse.de <http://www.stadtlichterpresse.de/

Ungeschönte Wunderwelten der Realität

Elias Schneitter gilt als Klassiker der Peripherie. Als Geburtsangehöriger des berühmten Jahres1953, in welchem Stalin stirbt und die Beatniks in den USA den Untergrund aufwühlen, behandelt er Arbeit und Schreiben als untrennbare Zwillinge. Seine Protagonisten kämpfen ein Leben lang mit dieser Vorgabe, und sei es auch nur, weil sie durch einen Augenfehler gezwungen sind, die Welt doppelsichtig zu akzeptieren. "Ich gehe arbeiten, damit ich mir das Schreiben leisten kann" sagt denn auch ein Held ziemlich pragmatisch.
Ob Kinder in den 1950er Jahren den Bauschutt nach dem Sinn des Lebens durchwühlen, ob Kids konsumtraumatisiert nach Venedig müssen, ob ein "Central"-Dichter im Kaffeehaus seinen Vorlass in die Kisten nagelt, immer handelt es sich um Helden, die den Lebensplan nicht ganz einhalten können, aber in der Abweichung dann doch einen finalen Rest-Sinn finden.

Elias Schneitter schreibt Literatur als Ergänzung zum üblichen Literaturbetrieb. Dort, wo die große Kehrmaschine mit ihren gestylten Krimi-Walzen nicht hinkommt, packt er in guter Straßenkehrer-Manier das feine Werkzeug aus, um in die Kanten und Klussen der Gesellschaft vorzudringen. Seine Geschichten setzen also immer dort ein, wo einen üblichen Autor der Erzählmut verlassen hat.

In der kleinen Edition BAES verhilft er auch anderen ähnlich stumm gehaltenen Kollegen zu Publikation und Gehör. Den mittlerweile im Buchwesen fast erblindeten Beatniks verschafft er durch Übersetzungen und Kleineditionen eine neue Sehschärfe, die über Generationen hinausgeht.

In einer Geheimansprache an sich selbst lässt im Gedicht "Prediger" das lyrische Ich dann doch noch ein bisschen was einer rätselhaften Botschaft heraus: . "Hüte dich vor jedem, der versucht, dir etwas einzureden, / denn er will dich bevormunden. // Hüte dich vor allem / vor deinen eigenen Gedanken / und vor dir selbst, / denn ohne dieses Misstrauen / wirst du ebenfalls scheitern / und auf einem Irrweg landen."


Helmuth Schönauer 14/03/17

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