doppelbilder

 

 

während ich dachte, dass ich eine entscheidung treffen müsste, wusste ich gleichtzeitig schon, dass ich im moment ohnehin keine entscheidung für eine operation treffen würde, sondern weiterhin diese entscheidung aufschieben würde. darum beschäftigte ich mich mit vorderhand einmal mit den damit verbundenen kosten, weil das ein sicherer grund dafür war, dass ich weiterhin endgültige entscheidung für eine operation vor mir herschieben würde. knapp 9.000 euro, oder in etwa 120.000 schilling würde die sache kosten. wenn man in betracht zieht, welche verbesserung der lebensqualität damit in zusammenhang stehen hätte können, eigentlich ein lächerlicher betrag, auch wenn die operationkosten nur über einen kredit finanzierbar sein würden. aber da war nicht die kostenfrage, die eine entscheidung erschwerte. da hatte auch der facharzt abwägend und nachdenklich erklärt, dass die chancen für einen positiven verlauf fünfzig fünfzig stehen würden, wobei er mir ohne umschweife erklärte, dass die problematik auch nach einem operativen eingriff auch weiterhin vorhanden wäre. da dürfte man sich keinen illusionen hingeben. fünfzig fünfzig. da fiel es mir vorderhand, auch in anbetracht der kostenfrage nicht weiter nicht schwer, vorderhand nicht schwer, noch abstand von einer zustimmung zur operation zu geben, wenngleich die die möglichkeit einer verbesserung meiner augensituation natürlich weiterhin und immer wieder in mir bohrte.

bei den untersuchungen in den vergangenen jahren hatte mein facharzt noch stets von der unmöglichkeit eines operativen eingriff gesprochen, da könne man im moment nichts machen, wobei er mir nicht verhehlte, dass meine probleme mit den doppelbildern mit der altersbedingten zunahme der sehschwäche noch größere probleme aufwerfen werde.

 

vor wenigen tagen hatte mich ein kulturveranstalter angerufen und gefragt, ob ich an einer autorenlesung, gemeinsam mit zwei anderen teilnehmen möchte. ich gab ihm zur antwort, dass ich in nächster zeit keine lesungen mehr machen würde, da ich alles doppelt sehe. so eine argumentation hätte er noch nie gehört, sagte der kulturveranstalter schmunzelnd, aber ich müsste mich vor so einer dichterlesung ja nicht gleich so ansaufen, dass ich alles gleich doppelt sehen würde. leider, sagte ich, schade, meinte er.

 

als neunjähriges kind wurde ich einer augenoperation unterzogen, weil ich so stark schielte. als ich nach der operation aufgewachte, waren beide augen verbunden. zwei tage später wurde mir eine augenbinde abgenommen und einen weiteren tag danach kam die zweite vom auge. ich lag in der kinderabteilung der universtiätsklinik und an der decke des kinderzimmers waren bunte fische gemalt. als mir der arzt die zweite binde abnahm und ich, am rücken liegend meinen ersten blick auf die zimmerdekcte warf, sah ich alle bunten fischchen doppelt.  natürlich bedeutete das einen schock für mich, auch wenn der anwesende arzt mich sofort zu beruhigen versuchte und meinte, dass das bald wieder in ordnung sein würde. inzwischen sind zwar einige jahrzehnte vergangen und ich sehe immer noch doppelt,

wobei es mir in all den jahren relativ gut gelang, diese behinderung so weit zu verdrängen, sodass sie mir keine unmittelbaren probleme bereiteten.

bei den visiten, damals im kinderkrankenhaus wurde anfangs noch eine zweite operation in erwägung gezogen, schließlich aber davon wieder abstand genommen, worüber das verschreckte kind von damals sehr erleichtert war.

die nächste zeit, daheim, wenn ich den eltern, verwandten, oder anderen davon erzählte, dann schien man das kind nicht ganz ernst zu nehmen, weil dies über die vorstellungskraft derjenigen hinausging und sich diese doppelbilder-geschichte doch etwas zu abenteuerlich anhörte, um der wahrheit entsprechen zu können. so meinte ein onkel, dass diese doppelbilder doch eine tolle sache sein müssten, weil ich in der geldtasche dann statt einem fünfer zwei fünfer sehen würde und somit einen zehner besitzen würde. da mich niemand mit meiner doppelbilder geschichte ernst nahm und die reaktionen darauf stets so waren wie jene des onkels und eigentlich nur zur belustigung für die anderen dienste, hörte ich auch auf davon anderen zu erzählen und auch ich beschäftigte mich damit nicht weiter. so machte ich auch keine erwähnungen mehr darüber, auch nicht bei all den, in den folgenden jahre anstehenden routinemäßigen augenarztuntersuchungen, wobei ich jedesmal, wenn ich aus verschiedensten gründen, meist wegen eines wohnortswechsels anderen facharzt aufsuchte die frage gestellt bekam, wer mich als kind operiert hätte. ich wusste es nicht, ich wusste nur, wann ich operiert wurde, worauf die augenärzte sich jedesmal in erinnerung zu rufen schienen, wer zu der zeit an der augenklinik der vorstand gewesen wäre und wer das kind operiert haben könnte. auch diese frage gehörte mich immer mehr zur gewohnheit, sodass ich mich damit nicht weiter beschäftigte.

 

auf jeden fall gelang es mir in den folgenden und in all den jahren sehr erfolgreich meine doppelbilder zu verdrängen. es war mir imgrunde auch gar nicht mehr bewusst, so sehr hatte ich mich daran gewöhnt. auch  als ich sofort mit achtzehn den führerschein machte, wo eine amtsärztliche untersuchung routinemäßig auf dem programm steht, beschäftigten mich diese doppelbilder in keinster weise, weil mir damals gar nicht in den sinn gekommen wäre, darauf hinzuweisen oder hinweisen zu müssen, was ja in letzter konsequenz wahrscheinlich bedeutet hätte, dass ich die fahrerlaubnis gar nicht bekommen hätte, aber dieser gefahr war ich mir damals beim amtsarzt nicht einmal bewusst, es gab wegen der doppelbilder auch keine weiteren probleme, aber nicht weil ich damals etwas verheimlichen wollte, um hinter den führerschein zu bekommen, sondern weil ich mir gar nicht einmal bewusst war, dass ich überhaupt noch unter doppelbilder litt, nein, ich glaubte vielmehr, dass ich so normal wieder jeder andere brillenträger sehen würde und so erhielt ich auch ohne weiteres das amtsärztliche zustimmung als brillenträger, nicht einmal mit der auflage nach einem bestimmten zeitraum mich wieder zu einer untersuchung zu melden, nicht einmal das war vorgesehen, die einzige auflage bestand darin, wie übrigens bei allen brillenträgern, dass sie stets eine ersatzbrille mit sich führen müssten.

 

dass ich mich so gut auf meine doppelbilder einstellen konnte, hing sicher damit zusammen, dass mein rechtes auge noch eine sehkraft von 60 prozent aufwies, während mein linkes immerhin noch 80 prozent besaß. dies war deshalb von vorteil, weil das schwächer auge automatisch, vom gehirn gesteuert, zurückgedrängt wird, sodass bei den doppelbildern ncihat zwei gleich starke bilder in der jeweiligen gehirnhälfte ausgeweisen wurden, sondern ein schärferes, besseres und ein schlechteres, minderwertigeres, woraus sich ergab, dass ich einen baum nicht einfach zweimal sah, sondern, ich sah ihn einmal schärfer mit dem linken auge und einmal weniger scharf mit dem rechten auge, sodass die welt zwar gleich zweimal, aber doch in unterschiedlichen optischen fassungen in mein gehirn einstürmte, in einer besseren und einer schlechteren variante und es daher für meinen kopf leichter war, dass bessere zu bevorzugen, eben wie in der natur, wo sich der oder stärkere durchsetzt.

hinzu kommt aber noch ein spezielles detail und zwar betreffend die lokalisation der bilder. zum beispiel, vor mir steht ein stuhl in einem leeren raum. dann sehe ich natürlich einmal diesen stuhl etlwaqs schärfer und dann ein zweitesmal links daneben, etwas versetzt nach oben und diesen stuhl mehr als silhouette und vor allem schwächer. so ist das also weiter kein problem, diesen zweiten stuhl zu verdrängen und eigentlich – zumindest bewusst – nicht zu sehen.

 

natürlich wurde ich immer wieder unwillkürlich mit diesen doppelbildern konfrontiert, wie zum beispiel als jugendlicher, wo es im fernsehen die serie daktari mit einem gutmütigen doppel sehenden löwen gab. da wurde ich dann plötzlcih mit vierfachbildern konfrontiert und natürlich drehte ich die zwei dreimal, wo ich zufällig auf diese sendung stieß, kaum dass ich mit diesen vierfachbildern konfrontiert wurde, den fernsehapparat aus oder wechselte den kanal.

viel schwerwiegender aber als diese daktaria sendungen, denen man ja ohne weiteres aus dem weg gehen konnte, stellten die die doppelbilder aber ein problem bei der einfachen lektüre eines buches dar.




Ruhe sanft im Trommelfeuer

 

 

Walter war vier Jahre älter als ich. Wir wuchsen beide im Äuele in Zirl auf. Er wohnte einige Häuser weiter unten, aber da er älter war als ich, hatten wir während unserer Kindheit nicht allzu viel Kontakt miteinander. Außerdem hatte ich großen Respekt, eigentlich schon Angst vor ihm, weil er mir einmal einen riesigen Schrecken einjagte, sodass ich ihm eher aus dem Weg ging. Ich war damals vielleicht zehn elf Jahre alt, als ich mit anderen Kindern bei ihm zuhause in seinem Zimmer war, das er mit Bravo-Zeitungsausschnitten tapeziert hatte: Beatles, Elvis Presley, Rolling Stones und so weiter, Popstars, die mir damals nicht allzu viel sagten. Walter spielte mit einer geschlossenen Blechdose in der Hand und schmunzelte übers ganze Gesicht, während er mit diese herüberreichte und mich aufforderte, diese zu öffnen. Das machte ich dann auch, ohne mir dabei etwas zu denken. Kaum hatte ich aber den Deckel heruntergenommen, schaute der winzige Kopf einer Schlange heraus. Geschockt ließ ich die Dose fallen und lief unter dem Gelächter der anderen Kinder zur Tür hinaus und flüchte nach Hause zu meiner Großmutter. Natürlich wusste ich damals nicht, dass es ich bei der vermeintlichen Schlange nur um ein harmloses Blindschleichchen handelte. Jedenfalls ging ich nach diesem Erlebnis Walter vorsichtshalber aus dem Weg.

Nach der achtjährigen Pflichtschule begann Walter eine Lehre als Schlosser, die er nach zwei Jahren abbrach, als er bei einem Arbeitsunfall einen Splitter ins rechte Auge bekam und dabei die Sehkraft fast zur Gänze verlor. Danach fand Walter eine Anstellung als Hilfsarbeiter in einer kleinen Firma, wo sie Kondensatoren herstellten. Die Arbeiter dieser Firma waren im ganzen Dorf wegen dem eigentümlichen, süßlichen, intensiven Geruch, der in ihrer Arbeitskleidung, in ihrer Haut und ihren Haaren steckte, bekannt. Diese seltsamen giftigen Dämpfe hatten auch die Auswirkung, die sich auf das Gemüt auswirkte und ihre Stimmung hob, aber nicht nur das, wie Walter viele Jahre später leidvoll erfahren sollte.

 

Walter hatte schon früh einen Faible für alle Arten von Waffen und für den Zweiten Weltkrieg entwickelt. Immer hatte er Pistolen, Gewehre, Säbel und Dolche in seiner Wohnung und an den Wochenenden ballerte er gerne mit Kollegen im aufgelassenen Steinbruch am westlichen Ende unseres Dorfes durch die Gegend. Auch im Betrieb schoss er während der Mittagspausen immer wieder durch die Halle. Dabei schaltete er wegen der Lautstärke die Kompressoren ein, damit man außerhalb die Schüsse nicht hören konnte. Einmal konnte er einen Querschläger knapp an seinem Kopf vorbeipfeifen hören. Das jagte ihm einen derartigen Schrecken ein, dass er die Schießübungen in der Firma einstellte.

 

Sein Vater hieß Theo und war ebenfalls ein verrückter Kerl. Als der Krieg zu Ende und verloren war - für ihn bedeutete das Ende des Krieges keine Befreiung -  wollte er sich nach Japan absetzen, um dort mit den japanischen Soldaten gegen Amerika weiterzukämpfen. Von Beruf war er Maurer und bald nach dem Krieg brachte ihn ein Freund zu den österreichischen Eisenbahnen. Da war er Schaffner tätig. Es war eine Beschäftigung, die nicht zu ihm passte. Bald hing er diesen Job an den Nagel oder besser gesagt, er wurde von den österreichischen Bundesbahnen fristlos entlassen. Hauptsächlich war er auf der Strecke im Tiroler Oberland unterwegs. Hauptbahnhof Innsbruck, Westbahnhof, Völs, Kematen, Unterperfuß, Zirl, Inzing, Hatting, Polling, Flaurling, Oberhofen, Pfaffenhofen, Telfs und so weiter bis hinauf nach Landeck und wieder retour. Bei einer Ballveranstaltung sollte er seine spätere Frau kennen lernen, die in Zirl lebte. Er war so verliebt in dieses wunderbare Mädchen, dass er immer wieder den Zug, wenn er nach Zirl kam, verließ und sich zu seiner Liebe aufmachte. Das ging natürlich nicht lange gut. Nach seiner Entlassung arbeitete er wieder als Maurer bei den verschiedensten Baufirmen in der Umgebung. Aber er war glücklich mit seiner Frau und 1949 kam Walter als erstes von vier Kindern auf die Welt. Theo war ein fleißiger und auch ein trinkfester Maurer und Mitte der Sechzigerjahre, erwarb er ein kleines Grundstück im Zirler Äuele, wo er bald darauf mit dem Bau eines eigenen Wohnhauses begann. Als der Rohbau fertig war, sagte eines Tages sein Lehrherr von Walter, dass er sofort nach Hause fahren müsse, weil etwas Schreckliches passiert sei. Auf seinem Moped kam er nach Hause, wo bereits der Nachbar auf ihn wartete. Seine Mutter saß weinend in der Küche und die Nachbarsfrau sagte zu Walter, dass der Vater vergangene Nacht auf der Straße von einem Auto überfahren wurde. Theo war nach einem Wirtshausbesuch auf dem Weg nach Hause, wo ihn ein Auto erfasste und in die Wiese schleuderte. Der Lenker beging Fahrerflucht, wurde aber bald darauf ausgeforscht und auch zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Im ersten Moment und auch in den nächsten Wochen wäre Walter bereit gewesen, diesen Autofahrer mit einer seiner Waffen umzulegen. Nachdem der Todesfahrer aus dem Gefängnis entlassen worden war, traf ihn Walter einmal zufällig in einem Wirtshaus. Er fixierte ihn eine Zeitlang, ehe er aufstand und aus dem Gasthaus wortlos verschwand.

Nach dem Unfall stand die Mutter von Walter mit vier Kindern, drei davon noch schulpflichtig und einem halbfertigen Haus da. Obwohl sie von verschiedensten Seiten Angebote für den Verkauf des Hauses bekam, schaffte sie es durch ihren unbändigen Fleiß und mit Hilfe von Verwandten das Haus fertig zu stellen und auch die Kinder großzuziehen und aus allen vieren sollten anständige, fleißige Menschen werden.

Maria war eine ausgesprochen hübsche interessante Frau und an Verehren hätte es keineswegs gefehlt, aber sie sollte zeitlebens ohne weitere Beziehung zu Männern bleiben. Ihre ganze Kraft verwandte sie darauf, ihre Familie durchzubringen, was ihr auch gelang. Trotz ihrer äußerlichen Schönheit lag auf ihrem Gesicht immer eine leise Trauer, die ihr eine Würde und Unnahbarkeit verlieh. All die Jahre habe ich Maria selten zusammen mit anderen Menschen gesehen, meistens war sie allein, höchstens mit einer ihrer Schwestern unterwegs.

 

Was Walter  anlangte, wurde er oft mit seinem Vater verglichen, sowohl was das Aussehen betraf als auch seine Verrücktheit. Walter saß oft stundenlang in seinem Zimmer und studierte Bücher über den Zweiten Weltkrieg, den Russlandfeldzug, den Einmarsch in Polen, über General Rommel und El al Emain, oder den Einmarsch in Frankreich und Paris. Im Fernsehn schaute er sich jede Dokumentation an und wenn er da Soldaten in Reih und Glied im Stechschritt aufmarschieren sah, dann lief es ihm kalt den Rücken hinunter, so nah gingen ihm diese Bilder. In den Wirtshäusern zu jener Zeit wurde andauernd über den Krieg diskutiert und vor allem gestritten. Allein in unserem Dreitausendseelennest waren nicht weniger als 125 Menschen nicht mehr aus dem Krieg zurückgekehrt. Unvorstellbar das Leid der Angehörigen und unvorstellbar auch der psychische Zustand all jener jungen Burschen, die als blutjunge Menschen in diesen Wahnsinn gezwungen wurden und irgendwie mit dieser Belastung und Traumatisierung fertig werden mussten.

Walter gehörte nicht zu jenen Wirrköpfen, die den Krieg verherrlichten, aber er diskutierte an den Stammtischen mit und vertrat auch die Meinung, dass er ohne Widerstand zu leisten mit voller Begeisterung damals dabei gewesen wäre. Natürlich nahmen ihn jene, die wirklich dabei waren nicht ernst, wenn sich Walter auch viel theoretisches Wissen über den Zweiten Weltkrieg angeeignet hatte.

Dass Walter mit seinen Ansichten auch nicht besonders ernst genommen wurde, hing aber nicht nur mit seiner Jugend zusammen, sondern auch wegen seinem Auftreten, denn Walter hatte sich für damalige Zeiten auch langes Haar wachsen lassen. Der Spruch „lange Haare – kurzer Verstand“ war in den Wirtshäusern, wo vor allem einfache Arbeiter verkehrten zwar nicht bekannt, aber trotzdem wurde Walter nach diesem Motto behandelt. Nicht selten musste er sich aber den Spruch, „lass dir die Haare schneiden, bevor du weiter so klug daherredest“ anhören, das Walter oft zur Weißglut bringen konnte, denn seine längeren Haare waren ihm heilig, weil er von der in England aufkommenden Popmusik und deren Musikern elektrisiert war. Überall, im Fernsehen, im Radio, in Zeitungen und Illustrierten stöberte er nach Nachrichten aus dieser Welt. Sein Zimmer war voll tapeziert mit seinen Popidolen, er hatte sich auch einen Plattenspieler gekauft und die gängigen LPs, die andauernd in voller Lautstärke liefen, wenn er daheim war.

Einmal fuhren Walter und zwei seiner Freunde mit den Mopeds über den Arlberg nach Bregenz zu einem Popkonzert. Am Freitag fuhren sie los und am Sonntag kehrten sie total begeistert zurück. Sie hatten nur wenig Geld und das Wenige gaben sie für Alkohol und nicht fürs Essen aus. Bei der Rückfahrt plagte sie deshalb der Hunger. Einmal hielten sie kurz an, weil einer dringend eine Toilette benötigte. Aber sie fuhren unverrichteter Dinge weil, weil Walter seinem Freund den Rat gab, kein Klo aufzusuchen, weil nachher der Hunger noch größer sein würde. Das leuchtete dem Freund ein und er verzichtete auf die Toilette.

Als der Unfalltod von Brian Jones, der in seinem swimming pool ertrunken war, unser Dorf erreichte, waren Walter und seine zwei Freunde so davon betroffen, dass sie sich an jenem Wochenende mit Silberfarbe Kreuze auf Brust und Rücken malten und um Mitternacht mit nacktem Oberkörper einige Runden durch den Ortsfriedhof drehten.

Jeden Tag, nach Arbeitsschluss war es üblich, dass Walter und einige Arbeitskollegen im Gasthof „Brücke“ einkehrten. Hier arbeiteten meitens Mädchen aus der Steiermark als Kellnerin. Bei diesen machte Walter oft einen Stich, weil er mit seinem Auftreten der wildeste unter seinen Freunden war. Auch warnten seine Freunde die Mädchen immer vor Walter, was ihn aber nur noch anziehender machte. Einmal wurde mit einem dieser Mädchen eine richtige Beziehung. Sie zog auch zu ihm in sein Zimmer. Nach einigen Monaten wurde Renate schwanger, aber Walter wollte kein Kind. Sie sollte es wegmachen lassen. Dadurch kam es zu einem Bruch mit Renate und bald darauf verlor sie das Kind. Darum zog sie auch von Zirl weg.

Einmal lernte Walter ein türkisches Mädchen kennen, dessen Vater als Fremdarbeiter bei einer Baufirma tätig war. Sie hatte sich heftig in ihn verliebt, aber es musste wegen ihrer Familie alles geheim bleiben. Walter bedrängte sie so lange, bis sie nachgab und ihre Unschuld verlor. Wenige Wochen nachher wurde er sätnachts

auf dem Nachhauseweg von einigen Männern krankenhausreif geprügelt wurde. Diese Männer waren aus einem Auto gesprungen, schlugen ihn nieder, traten auf ihn ein und ließen auf der Straße liegen. Walter wurde mit der Rettung ins Krankenhaus gebracht, konnte aber keine Angaben machen und hätte auch bei der Polizei keine machen wollen.

 

Mit den Dorfgendarmen stand Walter eigentlich immer auf  Kriegsfuß. Andauernd wurde er mit dem Moped angehalten und oft musste er Strafen bezahlen, wo sie bei anderen ein Auge zugedrückt hätten.

Einmal wurde in Zirl in ein Lebensmittelgeschäft eingebrochen. Es wurden Alkoholika, Wurststangen und Speckschwarten gestohlen. Am nächsten Vormittag standen zwei Dorfgendarmen vor der Haustür. Sie läuteten. Die Mutter öffnete. Ein Gendarm frage, ob Walter zuhause sein würde, aber Walter war in der Arbeit. Die Mutter wollte wissen was los sei. Ein Gendarm meinte, dass sie zwar keinen Hausdurchsuchungsbefehl hätten, dass aber Walter unter Verdacht stünde bei einem Einbruch letzte Nacht beteiligt gewesen zu sein. Die Mutter fiel aus allen Wolken. Den Verdacht könnte sie mithelfen zu entkräften, wenn sie ihnen die Möglichkeit einräumen würde, in Walters Zimmer Nachschau halten zu können. Würden sie nichts entdecken, dann würde das sicher zu einer Entlastung beitragen. Völlig eingeschüchtert ließ sie die Gendarmen Nachschau halten.

Die Dorfgendarmen staunten über das Zimmer nicht schlecht. Normalerweise hatte Walter auch immer Waffen in seinem Zimmer aufbewahrt, eine Pistole, ein Gewehr oder einen Dolch. Zum Glück war das an diesem Tag nicht so. Nur in einer Schublade fanden die Gendarmen eine alte verrostete Pistole, die nicht funktionsfähig war. Natürlich entdeckten sie nichts vom Diebsgut, weil Walter damit nichts zu tun hatte. Die Pistole wurde aber mitgenommen und sie sagten zur Mutter, dass sich Walter bei ihnen zu melden hätte. Die beiden Dorfgendarmen wurden sich zwar über die Relikte aus dem dritten Reich, die Hitlerfahne, die Kriegsabzeichen, die Kriegsbücher, den Totenkopf mit dem Stahlhelm, aber fanden daran keinen weiteren Anstoß.

Schon am nächsten Tag ging Walter auf den Gendarmerieposten und fragte, warum sie er sich melden sollte. Natürlich wusste Walter, dass es um die Pistole ging, aber er stellte sich anfangs ahnungslos. Als sie ihn informiert hatten, wollte er wissen, was das sollte, denn er wäre ja offensichtlich, dass dieses Gerät kaputt wäre. Woher er sie hätte, wurde er gefragt. Er hätte sie gefunden und mit nach Hause genommen. Was er damit wollte? Nichts wollte er damit, antwortete er. Das Gespräch drehte sich etwas im Kreis, ehe auch die Gendarmen klar wurde, dass die Suppe für eine Anzeige oder eine Strafe doch zu dünn sei und ließen ihn wieder nach Hause gehen. Sie forderten ihn jedoch auf, dass er hinkünftig, wenn er wieder derartige Dinge finden würde, diese bei ihnen abzugeben hätte.

Walter war außer sich vor Wut, als ihn die Mutter den Hergang vom Einbruch erzählt hatte. Das wollte er nicht so ohne weiteres auf sich sitzen lassen. Wenige Tage später, an einem Samstag Nachmittag, nachdem Walter schon den ganzen Vormittag in der „Brücke“ gesessen war, machte er ich auf den Weg zur Gendarmerie. In seiner Tasche seiner Parkajacke hatte er eine scharfe Handgranate, die er sich von einem Bekannten besorgt hatte. Ziemlich betrunken betrat er das Amtsgebäude, holte die Handgranate heraus, spielte vor den Augen der Gendarmen mit dem Splint, sodass die Gesetzeshüter in Deckung sprangen und schrien, dass er die Granate sofort hinlegen sollte. Walter machte das dann auch, ehe die erschrockenen Männer vorsichtig aus ihrer Deckung kamen. Danach meinte Walter nur, dass er ja nur auftragsgemäß gehandelt hätte, so wie sie es von ihm verlangt hätten. 

In seiner Firma begann eine junge Frau zu arbeiten, die Walter vom Sehen her kannte, weil sie auch aus Zirl stammte. Ihr Vater war ein kleiner Beamter bei der österreichischen Post und ein Zeuge Jehova. Helene verliebte sich in Walter und es dauerte nicht lange, ehe sie beisammen waren. Helene war ein anständiges Mädchen und sie weigerte sich lange, bis sie mit Walter intim wurde. Sie nahm diese Beziehung sehr ernst und Walter war für sie der Traummann. Als sie schwanger wurde, war es für sie ganz selbstverständlich, dass die heiraten würden. Walter versuchte sich dagegen zu wehren, aber erfolglos. Auch seine Mutter mischte sich ein und versuchte ihn zur Vernunft zu bringen. Helene verlangte von Walter, das er zu ihrem Vater gehe und um ihre Hand anzuhalten. Vor diesem Termin beobachtete Walter einmal von sich zuhause aus wie der Vater bei Haus vorbeikam und den Platz, wo seine Tochter hinkommen sollte genauer unter die Lupe nahm. Als Walter zum Vater kam, saß dieser in einem Sessel. Nach der Begrüßung fragte ihn dieser. „Was ist ihr Begehr?“ Genau diese Formulierung hatte der Vater gewählt und Walter blieb diese noch jahrelang in Erinnerung. Es wurde geheiratet. Den ersten Ehestreit gab es bereits am ersten Wochenende, weil Walter am Sonntag vormittag zum Frühschoppen gehen wollte. Walter war in den vergangenen Jahren jeden Sonntag vormittag zum Frühschoppen gegangen. Schließlich ging er dann an diesem Tag doch nicht. Walter empfand die Ehe, die er nicht gewollt hatte, als ob er von seinem Leben abgetrennt worden wäre. Es kam seine Tochter zur Welt und seine Unzufriedenheit über seine Unfreiheit wurde immer größer. Mit der neu gegründeten Familie wusste er nichts anzufangen. Er lernte ein Mädchen in der Firma kennen und einmal trieb er es mit ihr in der Nacht in einem Maisfeld. Als Helene die schmutzige Kleidung entdeckte, raste vor Eifersucht. Sie wollte wissen, mit wem er sie betrogen hätte. Natürlich stritt Walter alles ab. Aber Helene ließ nicht locker. Eines Tages war eine Pistole in seiner Schublade verschwunden und Helene drohte, ihm, im Schlaf seinen Schwanz wegzuschießen, wenn er nicht endlich zugeben würde, dass er sie betrogen hätte. Walter ging daraufhin auf sie los und wollte mit Gewalt seine Pistole zurückhaben. Er schlug ihr auch mit der flachen Hand ins Gesicht. Unter Tränen gab sie ihm die Waffe zurück und er gestand, dass er mit einem anderen Mädchen etwas gehabt hätte. Die Scheidung ging sehr schnell über die Bühne, weil Walter mit allen Forderungen des Rechtsanwaltes von Helene einverstanden war. Ihr wurde die gemeinsame Wohnung zugesprochen und Walter hatte die üblichen Unterhaltszahlungen für beide zu bezahlen. Helene verließ sofort nach der Trennung die Wohnung und vermietete diese weiter. Vorübergehend konnte Walter bei seiner Mutter wohnen, ehe er dann einen Kellerraum zog.

Nach seiner Scheidung ging es Walter unheimlich auf die Nerven, wenn er im Wirtshaus oder wo sonst auch immer auf seine Scheidung angesprochen wurde und ihm gesagt wurde, dass er sich über den Tisch ziehen hätte lassen. Er wollte nichts mehr davon hören. Er hätte nicht kampflos alles, was sein Vater und vor allem seine Mutter unter härtesten Bedingungen aufgebaut hätten, aufgeben dürfen. Das ganze Mitleid galt natürlich der Mutter, die nun in ihrem Haus eine fremde Partei als Untermieter drinnensitzen hatte.

 

Mitte der Siebzigerjahre übernahm ein aus Oberitalien stammendes Ehepaar das Sportcafe in Zirl. Sehr bald wurde dieser Ort zum Treffpunkt für Jugendliche, Schüler, Studenten, lokale Künstlergrößen und für Figuren, die ein wenig schräger unterwegs und nicht so recht in die üblichen Wirtshäuser passten.

Dort traf ich Walter in diesen Tagen regelmäßig. Er war damals achtundzwanzig Jahre alt. An sein Alter erinnere ich mich deshalb so genau, weil er damals immer behauptete, dass sein Leben bereits gelaufen sei. Ich war damals psychisch nicht besonders gut drauf und darum fühlte ich mich zu Walter und seinem Lebenspessimismus sehr hingezogen. Auch glaubte damals als Student an den baldigen Weltuntergang und dass das Leben völlig sinnlos sei. Albert arbeitete damals als Hilfsarbeiter in einer Waschmittelfabrik. Wir saßen und tranken oft bis nach Mitternacht, wobei ich den Vorteil hatte, dass ich am nächsten Tag ausschlafen konnte, da ich es mit dem Studium nicht allzu genau nahm. Mit von der Partie war auch häufig Manfred, ein alter Freund Walters.

         Wie ich dort erfuhr und das erstaunte mich nicht schlecht, hatten die beiden eine Zeitlang gemeinsam Transzentale Meditation betrieben. Immer wieder fuhren sie nach Innsbruck in ein Zentrum, wo sie ihre Übungen machten. Einmal waren sie sogar dem Maharishi begegnet, der sie restlos begeisterte.

Manfred war von Beruf Fliesenleger, konnte den Beruf aber nicht mehr ausüben. Bei einem Motorradunfall hatte er eine schwere Knieverletzung davongetragen. Sein rechtes Knie konnte er nur noch sehr eingeschränkt abbiegen. Von der Versicherung erhielt er eine ansehnliche Summe, weil er unschuldig an diesem Unfall war. Damals war Manfred gerade dabei, das Geld das er von der Versicherung erhalten hatte, aufzubrauchen.

Dass sich die beiden ernsthaft mit der Transzentalen Meditation beschäftigten, beeindruckte mich, weil sie nicht zu den Intellektuellen gehörten, denen ich das eher zugetraut hätte, sondern zwei ganz einfache Typen waren, natürlich mit entsprechender Schieflage.

Ich beschäftigte mich damals mit Beatliteratur, Kerouac, Corso, Ginsberg, Burroughs, Bukowski und all diesen seltsamen Typen. Einmal gab ich Walter das on the road zu lesen. Er war von diesen irrsinnigen Typen, allen voraln Neal Cassady begeistert, sodass er meinte, dass er sicher mit diesen Kerlen beisammen gewesen wäre, wenn er die Möglichkeit gehabt hätte. Manfred war weniger begeistert, auch wenn ihn die eine oder andere Geschichte oder Episode doch gefielen, vor allem aber, weil Walter davon begeistert war.

Einmal saßen wir bis tief in die Nacht in Manfreds kleiner Wohnung und vernichteten so ziemlich alle Alkoholvorräte und das waren nicht wenige. Auch verspeisten wir guten Speck und auch andere guten Sachen, denn der Kühlschrank von Manfred war gut gefüllt, weil er großen Wert darauf legte und auch das nötige Kleingeld dafür hatte. Ich fragte ihn, warum er Transzentale Meditation betreiben würde, obwohl ich überzeugt war, dass er es nur machte, weil es Walter machte. Manfred kam sofort ins Schwärmen, wenn er von den großen Meistern und Gurus zu sprechen begann, die mit ihrer Meditation schon so weit gelangt waren, dass sie die Schwerkraft aufgehoben hätten. Indische Gurus würden in ihrer Vollendung mit gekreuzten Beinen über dem Boden schweben, völlig frei und ohne Bodenhaftung und einige ganz große Meister seien schon durch Betonwände marschiert, weil es für keine Materie als Hindernis mehr geben würde. Manfred erheiterte mich ohne Ende und ich lauschte ihm, zwischendurch von Lachkrämpfen geschüttelt und wenn ich in seinen einfältigen unschuldigen Gesichtsausdruck blickte, dann waren auch für mich seine Münchhausengeschichten für einige Momente Realität. Walter war zu betrunken, um dem mit Interesse zu folgen, auch wenn er zwischendurch immer wieder meinte: „Manfred, bitte red keinen Scheißdreck.“ Aber Manfred glaubte seine Geschichten selbst und darum entsprachen sie an diesem Abend auch der Wahrheit und er war ja ehrlich genug, zu sagen, dass er von den großen Meistern die die Schwerkraft und die Materie bereits überwunden hätten noch meilenweit entfernt wäre. Jedoch hätte er bereits eine Stufe erreicht, wo er eine ganze Nacht durchsaufen könnte, um dann nach zwanzig dreißig Minuten Meditation so frisch sei wie nach einem zehnstündigen Schlaf.

Trotz dieser hervorragenden Ergebnisse, konnte ich feststellen, dass die TM immer mehr aus ihrem Leben verschwand, je öfter sie im Sportcafe auftauchten. Das fand ich gut, nicht dass man befürchten musste, dasss sie auch die Schwerkraft und die Bodenhaftung verlieren würden.

Walter betrieb die TM sicher ernsthafter als Manfred. Einmal, erzählte er mir, dass er nach so einer Sitzung das Zentrum verlassen hätte und für einige Momente nicht mehr wusste, wo er sich befand. Er glaubte seine Identität verloren zu haben. Dieses Erlebnis erschreckte ihn so heftig, dass er das Interesse an der TM schließlich verloren hätte.

 

Nach dem Verlust seiner Wohnung, bezog Walter einen kleinen  Kellerraum, den er seinen „Bunker“ nannte, was er auch tatsächlich war. Nur durch ein kleines Kellerfenster kam ein wenig Licht herein, aber da Walter untertags ohnehin nie daheim war, war das für ihn nicht weiter von Wichtigkeit. Öfters nach der Sperrstunde sind wir noch in den Bunker weitergezogen, um unsere Gespräche zu führen und Musik zu hören. Der Bunker war natürlich wieder ganz nach seinem Geschmack eingerichtet. Der Totenkopf mit Stahlhelm, die Hitlerfahrne, die Kriegsbücher, jetzt auch Bücher von den Beatniks, ein großes Fotos mit Neal und Jack, seine Musikkassetten und einige wenige LPs  und in der Mitte des Kellerloches stand sein ganzer Stolz, eine hundert Kilobombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Bei dieser Bombe handelte es sich um einen Blindgänger, der in den letzten Kriegstagen auf die Reither Eisenbahnbrücke abgeworfen wurde, aber nicht explodierte. Ein Bekannter von Walter hatte sie bei sich zu Hause im Garten viele Jahre stehen gehabt. Walter hatte schon immer ein Au

ge auf diese Bombe gerichtet gehabt und eines Tages schenkte ihn dieser Bombe dieses grauenhafte Relikt, weil er Walters Verrücktheit in diesen Dingen kannte. Die Übergabe wurde entsprechend gefeiert. Inzwischen diente das angerostete Monstrum nicht nur als Blickfang im Bunker von Walter sondern war auch als überdimensionaler Aschenbecher in Verwendung.

 

An einem Samstag Vormittag traf ich Manfred zufällig im Supermarkt. Er hatte den Einkaufswagen prall gefüllt, auch zwei Kisten Bier und jede Menge anderer Alkoholika hatte er bereits im Auto verstaut. Für heute stand bei ihm zuhause ein großes Grillfest auf dem Programm, weil seine Eltern die Silberne Hochzeit feierten. Manfred war für den Materialnachschub zuständig. Bevor wir nach Hause fuhren, vereinbarten wir, dass wir noch einen schnellen Abstecher zu Walter in den Bunker machen wollten, um Nachschau zu halten, wie Walter den Freitag überstanden hätte und uns auch eine Flasche zu genehmigen. Als wir zu Walter kamen, saß er gerade bei seiner Mutter und trank Kaffee. Es war kurz vor zwölf. Wir gingen in den Bunker und begannen zu trinken. Zuerst holte Manfred das Bier noch flaschenweise, bis er gleich die halbleere Kiste mitbrachte und auch eine Flasche Cognak und als das Bier wieder fertig war, holte er auch noch die zweite Kiste und irgendwann waren wir so betrunken, dass Manfred am Stuhl einschlief. Walter krabbelte am Fußboden herum und suchte nach einer Kassette, die er in den Recorder einlegen wollte, es aber einfach nicht schaffte. Ich war so angeschlagen, dass ich mich ins Bett setzte, weil ich mich wegen dem Karussell nicht hinlegen konnte. Aus einer Laune heraus hatte ich auch den Regenschirm aufgespannt, wahrscheinlich damit ich gegen weitere Flüssigkeiten immun sei. In diesem Moment kam gerade Walters Mutter ins Zimmer, besser gesagt wollte ins Zimmer kommen, denn ich erinnere mich noch bruchstückhaft an das entsetzte Gesicht der Mutter, die beim Anblick der drei Musketiere sofort die Tür wieder zuschlug und nicht wieder öffnete. Irgendwann schien Manfred zu dämmern, dass zuhause eine Fete steigen sollte und er machte sich wankend auf den Weg. Im Autor wurde ihm so schlecht, dass er sich übergeben musste und reflexartig die Scheibenwisscher einschaltete, was aber nicht allzu viel nützte, um die Frontscheibe sauber zu bekommen.

Bei der Silbernen Hochzeit soll, soweit ich weiß, nicht unbedingt die beste Stimmung geherrscht haben. Jedenfalls soll Manfred von seinem Vater einige Arschtritte eingefangen haben, was Manfred aber nicht als allzu schlimm empfand, weil er gut narkotisiert war.

 

Als Hilfsarbeiter verdiente Walter natürlich nicht allzu viel. Nach Abzug der Unterhaltszahlungen und dem Wirtschaftsgeld – das er gar nicht regelmäßig bezahlen konnte – blieb für ihn nicht mehr allzu viel übrig. Auch wenn er keine großen Ansprüche stellte, so war jedes Monat, was sein Einkommen anlangte entschieden zu lang. Sein einziger Luxus waren die regelmäßigen Besuche im Sportcafe, ansonsten stellte er keine Ansprüche. Sein Konto war andauernd überzogen und ich erinnere mich an zahlreiche Canossagänge zur Raika, meistens freitags nachmittags. Vorher genehmigten wir uns meist zwei drei Gläser und etwas Klares dazu, ehe Walter den Mut aufbrachte, sich auf den Weg zum Bankinstitut zu machen. An seinem Gesichtsausdruck, wenn  zurückkam, konnte man sofort erkennen, ob es ein lustiges Wochenende geben würde oder eine zweitägige Bunkerangelegenheit vor der Tür stand. Wenn er im Sportcafe eintrudelte und das Victory Zeichen machte, war klar, dass es eine lange Nacht mit viel lustigen Stunden geben würde.

 

Einmal erhielt Walter einen Brief vom Gericht, weil seine Frau höhere Unterhaltszahlungen einforderte. Walter war deshalb fuchsteufelswild, weil seine Frau schon genug abkassiert hatte und er finanziell ohnehin aus dem letzten Loch pfiff. Was seine Kleidung betraf, besaß er einige alte Jeans, einige verwaschene T-Shirts und seinen uralten Parka. Mit viel mehr konnte er nicht aufwarten. Ich sagte ihm dass er sich den Gerichtstermin sparen könnte, wenn er in seinem üblichen Aufzug antanzen würde. Darum machte ich ihm den Vorschlag, dass ich ihm einen Anzug besorgen würde, wenn er das wünsche und dass er auf jeden Fall sich auch die Haare schneiden lassen müsse. Mit dem Anzug das ging ohne weiteres in Ordnung, bei den Haaren hatte er anfangs Probleme, weil seine längeren Haare sein ganzer Stolz waren. Ich redete ihm ein, wenn er vor Gericht eine Chance haben wollte, dann müsste sein Erscheinungsbild stimmen. An einem Sonntag Nachmittag saßen wir im Sportcafe, hatten schon ziemlich Flüssiges zu uns genommen, als die Idee aufkam, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen wäre, Walter die Haare zu schneiden. In wenigen Tagen stand der Gerichtstermin vor der Tür. Alle waren bester Stimmung, eine junge Friseurin übernahm den Haarschnitt, holte ihre Schere aus dem Auto und dann ging es los. Das ganze artete ein wenig aus, denn alle Zuschauer saßen mit ihren Gläsern im Kreis um Walter und machten sich den Spaß im Chor „kürzer kürzer…“ zu skandieren. Der Gesichtsausdruck von Walter wurde zwar immer finsterer, aber er hatte keine Chance und als er sich schließlich im Spiegel mit Kurzhaarschnitt sah, war sein Stimmung von einem Moment zum anderen ganz im Keller und er musste sich die Tränen aus den Augen wischen. Es war eine unangenehme Situation für alle, denn alle merkten wie Walter von dieser Aktion betroffen war. Ich versuchte ihn zu beruhigen, aber meinte zu mir bloß, dass ich abhauen sollte. Das war kein schöner Sonntag Nachmittag. Hinzu kam dann auch noch, dass weder der Haarschnitt noch der Anzug etwas nützten, Walter hatte die volle Länge zu übernehmen. Einige Wochen war zwischen uns keine gute Stimmung.

 

Damals wohnte ein Bekannter von uns vorübergehend in Zürich. Er arbeitete dort für ein Jahr und er hatte eine geräumige Wohnung und er hatte mich schon mehrmals eingeladen. Darum fragte ich Walter, ob er mitkommen wollte, denn schließlich hatte ich bei ihm etwas gut zu machen. Eigentlich hatte ich die Absicht mit dem Zug in Zürich anzureisen, aber Manfred bot sich an uns zu chauffieren. Von Walter wusste ich, dass er in seinem bisherigen Dasein nur zwei kleinere Reisen unternommen hatte. Einmal mit Freunden und dem Moped nach Bregenz zu einem Popkonzert und einmal mit seiner Frau nach Riccione für eine Woche, die ihm sehr lebhat in Erinnerung war, weil er es dort mit seiner Frau mehrmals in einer Umkleidekabine getrieben hatte.

„Die Hitze hat mich ganz wild gemacht“, sagte Walter, „seither kann ich verstehen, dass die Italiener nichts anderes im Kopf haben, als Frauen umzulegen.“

Also Walter war wirklich alles andere als ein weitgereister Mann, hinzu kamen nur noch, wie er mir einmal erzählt hatte, einige Fahrten mit dem Postauto nach Innsbruck, weil er meistens auf die Bezirkshauptmannschaft musste, um dort etwas wegen einer seiner Strafen etwas zu regeln hatte.

Wir fuhren also mit dem Auto nach Zürich. Mich begleitete sogar meine damalige Freundin, weil sie auch ein paar Tage ausspannen wollte. Manfred hatte einen schwarzen Ford Mustang, wo er vor kurzen einen Kabelbrand hatte. Darum musste er das Auto immer mit einem Schraubenzieher kurzschließen, um es zu starten.

Das hieß Motorhaube öffnen, Walter stieg mit dem linken Fuß vom Beifahrersitz etwas auf das Gas, Manfred hantierte im Motorraum herum, bis das Auto ansprang. Aber dann konnte es losgehen. Meine Freundin schaute mich etwas entgeistert an, aber ich beruhigte sie, indem ich ihr sagte, dass alles in bester Ordnung sei. Aber so richtig schien sie mir nicht zu glauben. Damals ging die Autobahn im Tiroler Oberland nur bis Mötz, sodass wir dort auf die Bundesstraße mussten. Meine freundin und ich saßen hinten drin und es war eher eng und nicht gerade gemütlich, nicht nur wegen der beengten Verhältnisse im Mustang, sondern vor allem wegen der Art und Weise wie Manfred fuhr. Ich hatte den Eindruck, dass er glaubte, er müsste das 24 Stunden Rennen von Le Mans gewinnen. Mehrmals beugte ich mich nach vor und sagte zu ihm: „Lass dir doch etwas Zeit. Wir haben überhaupt keine Eile.“ Aber Manfred verstand mich nicht, er hörte mich zwar an, schaute dann Walter an, als ob er diesen fragen wollte, weißt du was der Kerl da hinten drin eigentlich will. Er jedenfalls wusste es nicht und auch Walter verstand mich nicht so richtig, denn er zuckte nur mit den Achseln. Meine Freundin schüttelte jedenfalls nur den Kopf. Kurz vor Imst meinte Walter, dass er gerne was zu trinken hätte und dass Manfred bei der nächsten Tankstelle anhalten sollte. Das leuchte Manfred ein. Bei Imst führte die Straße Richtung Lendeck einen Hügel hinauf. Auf halber Höhe war eine Tankstelle, vielleicht zwei dreihundert Meter. Vor uns fuhren drei LKWs und Manfred riss den Wagen trotz Gegenverkehrs und der relativ kurzen Strecke nach links und überholte. Ich schrie ob er verrückt sei, als Manfred mit vollem Karacho gerade noch die Einfahrt in die Tankstelle erwischte und brauchte eine Vollbremsung, damit wir nicht in den Verkaufsladen donnerten.

Entsetzt sagte ich noch einmal: „Bist du verrückt geworden!“ aber wieder reagierte Manfred wie vorher. Er schaute Walter mit einer völlig unschuldigen Miene nach dem Motto: Weißt du, was der Kerl hat, an. Diesmal aber meinte selbst Walter, dass es schon etwas eng gewesen wäre, aber alles keine Problem gewesen sei. Das beruhigte Manfred, obgleich er ja gar nicht beunruhigt war. Wir besorgten uns einen ganzen Plastiksack voll mit Bierdosen und für meine Freundin einige Fruchtsäfte. Walter kaufte zudem auch noch eine Flasche Cognak, die er die Runde reichte, ehe sie dann ins Handschuhfach verstaute. Unter den leitcht verdutztenBlicken des Tankwartes wurde dann der Ford mit Schraubenzieher gestartet und es konnte weitergehen. Über den Arlberg kam ich nur drüber, indem ich Walter immer wieder bat, dass er das Handschuhfach öffnete und mir die Cognakflasche reichte. Walter hatte die Flasche darin so verstaut, dass sie ihm sofort in die Hand fiel, wenn er das Fach öffnete. Diese geniale Technik faszinierte Walter so sehr, dass er sie andauernd ausprobierte und nach jedem gelungenen Versuch einen Schluck zu sich nahm, sodass die Hälfte der Flasche bald geleert war. Irgendwann und vor allem irgendwo erreichten wir dann auch die Staatsgrenze ohne dass ich heute noch sagen könnte, wo das war. Natürlich ließen uns die Zöllner sofort rechts ranfahren. Ob wir was zu verzollen hätten. Nein, wir hätten nichts zu verzollen. Der Grenzbeamte warf einige verwunderte Blicke in das Auto. Er verlangte, dass Manfred den Motor abstellen sollte.  Manfred wollte deswegen schon was sagen, aber dann hielt er doch den Mund. Dann wurde der Gepäcksraum durchsucht. Aber da war nichts. Dann wurde Walter aufgefordert, er solle das Handschuhfach öffnen. Walter befolgte die Anweisung und zur Überraschung des Zöllners fiel eine halbvolle Cognakflasche heraus. Der Ordnungshüter stutzte kurz, aber es war ja nicht verboten eine Cognakflasche bei sich zu führen, zumal Manfred die ganze Fahrt auch nie einen Schluck genommen hatte. Der Zöllner überprüfte noch einmal unsere Reisepässe, kratzte sich am Kopf. Irgendetwas schien ihn im Zusammenhang mit uns zu beschäftigen. Aber schließlich kam er zur Erkenntnis, dass wir einfach harmlose Verrückte waren und sagte, dass wir weiterfahren könnten. Aber da war das Problem mit dem Schraubenzieher.

„Ja was“, überschlug sich fast seine Stimme, “ja haben sie ihren Wagen kurzgeschlossen.“ Damit hatte er recht. Das war für ihn dann doch zu viel. Manfred mussten den Mustang wieder abstellen und jetzt wurde der Wagen noch einmal unter die Lupe genommen. Diesmal sogar mit Hund. Das alles nahm eine lange Dauer in Anspruch und Walter hätte gern einen Schluck aus der Cognakflasche genommen, wagte es aber nicht. Schließlich durften wir dann doch weiterfahren und alle Zöllner schauten uns nach als wir abdampften.

Obwohl die Schweiz unser Nachbarland ist, war ich noch nie dort gewesen. Ich hatte mich auch nicht um die Fahrtstrecke gekümmert. Ich wusste nur, dass man in ungefähr drei Stunden von Zirl nach Zürich benötigen würde, beim Tempo von Manfred hätten wir es – ohne Zwischenstopps – ohne weiteres in zwei Stunden schaffen müssen. Manfred hatte natürlich auch keine Straßenkarte bei sich und war auch noch nie in der Schweiz. Er sagte etwas davon, dass wir bald auf die Autobahn kommen müssten, als wir uns auf einer Landstraße durch Liechtenstein aufhielten. Aber wir kamen auf keine Autobahn, sondern fuhren auf einer abgelegenen Seitenstraße durch hügeliges Gelände, durch Wälder bis wir schließlich zu einer Schotterstraße kamen, offensichtlich eine Forststraße. Manfred kümmerte sich während der ganzen Fahrt wenig um Hinweisschilder, sondern glaubte einfach, dass wir bald auf die Autobahn nach Zürich kommen müssten. Auf dieser Strecke war wenig Verkehr, was für mich sehr wohltuend war, weil es dann auch keine Überholmanöver geben konnte. Das einzige, das an eine Autobahn erinnerte, war das Tempo, das Manfred hinlegte.

„Hier können wir aber nie und nimmer richtig sein“, sagte ich, als wir die Schotterstraße erreichten. Obwohl er inzwischen auch überzeugt war, dass wir nicht richtig sein konnten, setzte er erneut seinen Blick auf und schaute Walter an. Er wendete den Wagen und fuhr wieder den Weg zurück, den wir gekommen waren. Ich sagte nichts mehr, weil ich ohnehin überzeugt war, dass wir Zürich nie erreichen würden, ich meinte lebend. Aber wie durch ein Wunder erreichten wir nach einigen Umwegen doch die Autobahn. Wie Manfred das geschafft hatte, ist mir heute noch ein Rätsel. Noch dazu befand er sich in der richtigen Richtung nach Zürich. Auf der Autobahn fühlte sich Manfred ganz in seinem Element. Bei der Verankerung der Kühlerhaube hatte das Auto auch ein kleines Problem. Sie schien nicht richtig einzurasten, denn je schneller er fuhr desto mehr hob sich der Deckel links und rechts, aber das störte Manfred nicht weiter. Ich wünschte mir die eine oder andere Polizeikontrolle, damit sie uns aus dem Verkehr gezogen hätten. Jeden Moment fürchtete ich, dass uns die Motorhaube um die Ohren fliegen würde, oder über die Autobahn hinausschießen würden, denn Manfred fuhr ausschließlich Vollgas und wenn kein Platz zum Überholen war, dann überholte er auf dem Pannenstreifen. Einige Male versuchte ich Manfred zur Vernunft zu bringen, aber das hatte keinen Sinn. Außerdem war Walter von der Raserei so begeistert, dass er die Cognakflasche gar nicht mehr los ließ. Als wir schließlich wirklich Zürich erreichten und in Bahnhofsnähe das Auto abstellten und ausstiegen, glaubte ich an eine Wiedergeburt meinerseits. Meiner Freundin erging es ebenso. Auf jeden Fall war uns beiden klar, dass wir die Rückreise nicht mehr mit Manfred antreten würden, sondern mit der guten alten Bundesbahn nach Tirol zurückfahren würden.

In Zürich angekommen, landeten wir sofort in einem sympathischen Studentenlokal und tranken ein Bier nach dem anderen, was in den nächsten Tagen überhaupt unsere Hauptbeschäftigung sein sollte. Jedenfalls hatte ich schon lange keine so göttliche Gläser Bier getrunken wie nach der Ankunft in Zürich. Unser Freund Klaus war ein ruhiger Kerl. Er hatte eine relativ große, etwas heruntergekommene Wohnung, nicht weit vom Zentrum der Stadt. Klaus war auch ein sparsamer Kerl, weil er sich ansonsten diese Wohnung in dieser Lage nicht leisten hätte können. Meine Freundin und ich hatten sogar ein eigenes Zimmer, wo wir unsere Schlafsäcke ausbreiteten. Im Zimmer fehlte nur das Licht, weil Klaus in der ganzen Wohnung nur noch eine funktionierende Glühlampe hatte und die hing in der Küche. Er sagte, dass er in drei Wochen ausziehen und nach Venedig gehen würde und dass es sich nicht mehr rentiere, Geld in Glühlampen zu investieren. Aber er bot mir und meiner Freundin die Glühbirne für unser Zimmer an, denn schließlich waren wir seine Gäste. Walter und Manfred hatten es im Nebenzimmer recht lustig. Wir hörten sie in der ersten Nacht noch lange Zeit, wie sie sich unterhielten und immer wieder heftig lachten. Die hellhörigen Wände waren auch der Grund, warum meine Freundin keine Nähe wollte. So schliefen wir bald ein.

Am nächsten Tag wachten wir später auf. Manfed und Walter waren schon außer Haus. Klaus sagte lächelnd, dass die Jungs beim Frühstück wären. Auch wir gingen in dieses Kaffeehaus frühstücken. Die beiden Jungs hatten es schon lustig. Im Kaffeehaus verkehrten fast nur ältere vornehme Damen. Walter und Manfred hielten aber nicht von einem normalen Schweizer Frühstück. Sie wollten keine Semmel und keine Butter und keine Marmelade, sondern zwei Bier. Die Kellnerin schaute sie etwas groß an. In diesem Kaffeehaus gab es kein Bier. Sie fragten was es sonst Alkoholisches gab und bestellten dann Cognak. Damit waren sie zufrieden.

Klaus schlug eine Runde mit dem Schiff am Zürichsee vor.

„Da gibt es aber schon was zu trinken“, meinte die Jungs gleich.

„Natürlich.“

Wir gingen zur Anlegestelle und kauften Karten. Die Fahrt sollte erst in knapp einer Stunde beginnen. Gott sei Dank gab es aber einen Kiosk, wo auch Bier verkauft wurde. Walter besorgte sich gleich drei Flaschen. Dann setzten wir uns auf eine Bank.

„Irgendwie schmeckt das Bier komisch“, meinte Walter.

„Das ist Schweizer Bier“, meinte Klaus.

„Bier ist Bier“, sagte Manfred.

Klaus trank kein Bier, sondern Tee. Trotzdem hatte er ein schmutziges Lächeln um die Lippen. Kaum hatte Walter seine drei Flaschen getrunken, machte ihn Klaus darauf aufmerksam, dass er alkoholfreies Bier getrunken hätte. Auf diese Meldung bekam Walter sofort einen Schluckauf, der ihn die halbe Schifffahrt nicht los werden sollte. Zudem musste er feststellen, dass auf dem Schiff keine Ausschank war, das traf ihn hart. Er meinte bloß, dass er nie wieder ohne Marschgepäck in See stechen würde.

Klaus wusste, dass er seinen Gästen keine Sehenswürdigkeiten von Zürich zeigen musste. Einmal wanderten sie zum Letziggrund, wo alles angeboten wurde, was die Suchtgiftabteilung zu bieten hatte. Walter war so fasziniert davon, dass er einem jungen Mädchen eine Tasse Tee abkaufte.

In der Stadt saß Walter einmal einen halben Nachmittag mit gekreuzten Beinen vor Straßenmusikanten, so sehr war er von diesem Treiben beeindruckt.

Einmal saßen wir in einem alternativen Bierlokal, wo auch Transvestiten verkehrten. Manfred und Walter kamen mit offenem Mund aus der der Toilette zurück, weil ein Transvestit neben ihnen, den Rock hochzog und sein Geschäft erledigte. Zwischendurch meinte Klaus zwar immer wieder, dass wir nicht nur in Wirtshäusern herumsitzen sollten, aber dieser Vorschlag hatte keine große Wirkung. Am letzten Tag in der Früh verschwanden meine Freundin und ich ohne uns zu verabschieden und fuhren zum Bahnhof. Im Zug meinte sie:

„Die zwei sind lustige Burschen, nur halt etwas verrückt.“

Walter und Manfred kamen zwei Tage später zurück nach Zirl. Obwohl sie einen Reifenplatzer hatten und einmal über einen Zwillingsreifen fuhren, den ein LKW verloren hatten, blieben sie unversehrt.

 

Bald darauf hatte ich mich entschlossen Zirl zu verlassen. Ich ging zuerst einige Jahre nach Wien, dann nach Innnsbruck und schließlich zog ich ins Tiroler Unterland. Nach Zirl kam ich nur noch sporadisch, um meine Eltern zu besuchen. Meistens nützte ich diese Aufenthalte, um einen kurzen Abstecher ins Sportcafe zu machen. Dort traf ich eigentlich immer Walter, meistens sturzbetrunken. Im Sportcafe verkehrten nach mehreren Pächterwechseln fast nur noch ganz junge Leute und Walter wirkte unter ihnen etwas deplaziert, wenngleich ihn alle als Sonderexemplar recht gerne mochten. Es war jedes Mal eine Riesenfreude, wenn wir uns sahen und er sich jedes Mal als „Katastrophsky mein Name – Sturzpilot der deutschen Wehrmacht“, um dann mit gespreizten Mittel und Zeigefinger und ausgestreckten Arm einen Absturz zu imitieren. „WUMMMMM-PUUFFFFF“, meinte er lautstark, „Katastrophsky mein Name – Bruchpilot der deutschen Wehrmacht“. Wenn ich mich nach einigen Gläsern auf den Weg machte, dann rief er mir zum Abschied immer ein „Ruhe sanft im Trommelfeuer“ nach, ehe ich bei der Tür draußen war.

Ein Fixpunkt in Walters Jahreskalender war seine Geburtstagsfeier. Diese feierte er immer am Wochenende nach dem 6. Jänner, seinem Festtag. Alle seine Freunde trafen sich an diesem Wochenende und es ging immer hoch her. Da diese Feste aber immer unter der Aufsicht seiner Mutter stattfanden, gab es nie gröbere Ausfälle, denn seine Mutter wurde von allen seiner Bekannten ausnahmslos respektiert.

Inzwischen wohnte Walter nämlich zusammen mit seiner Mutter im ausgebauten Dachboden. Den Bunker hatte Walter schweren Herzens verlassen müssen, weil ihn sein älterer Bruder als Werkstätte benötigte. Wenn man Walter und seine Mutter in ihrer Wohnung betrachtete, hatte man oft den Eindruck als ob die beiden ein älteres Ehepaar sein würden, denn seine Mutter schaute noch immer gut aus und Walter hatten die letzten Jahre doch etwas älter gemacht, als er in Wirklichkeit war.

So wie seine Geburtstagsfeier gehörte auch das Neujahrsfest, das Walter ganz auf seine Art feierte. Wenn um Mitternacht überall die Raketen und Feuerwerkskörper in die Luft flogen, packte Walter seine Pumpgun aus und ballerte eine ganze Salve durch das Dachbodenfenster, wo ihm sein ganzes Herz aufging, wie in alten Zeiten.

Hin und wieder war ich auch bei den Geburtstagsfesten dabei und ich wunderte mich immer über Walter, dass er dieses heftige Trinkerei körperlich aushielt, denn inzwischen gab es kaum einen Tag, wo er sich in dieser Hinsicht etwas schenkte.

Einmal lief mir Walter in Innsbruck zufällig über den Weg. Das war für mich eine große Überraschung, denn Walter brachte ich mit einer Stadt nicht in Zusammenhang. In seiner Jugend hatte er einige Male wegen Verwaltungsstrafen zur Bezirkshauptmannschaft nach Innsbruck müssen. Ansonsten mied er Innsbruck, weil er hier nur den Weg vom Bahnhof zur Bezirkshauptmannschaft und zurück kannte. Ansonsten fühlte er sich völlig verloren in der Stadt. Als ich ihn traf, gingen wir auf ein Getränk und erzählte mir schmunzelnd, dass er die letzten Monate häufig in Innsbruck gewesen sei. Seine alte Freundin Renate war eines Tages ganz überraschend bei ihm aufgetaucht. Sie lebte inzwischen in München, war unglücklich verheiratet, hatte aber genügend Geld, um Walter immer wieder in ein Hotel einzuladen, wo sie gemeinsame Nächte verbrachten. Für den bevorstehenden Sommer wollte sie ihn sogar auf Ibiza mitnehmen, wobei er von dieser Idee noch nicht ganz überzeugt war.

 

Wenn ich in all den Jahren an Walter dachte, dann sah ich in ihm immer einen aufrichtigen, ehrlichen Kerl, der an sein Leben keine großen Ansprüche stellte und sich mit dem bisschen, das er hatte, zufrieden gab. Er beklagte sich nie. Er jammerte nie, nicht über seine Hilfsarbeiterjobs oder, dass er ansonsten in seinem Leben zu kurz gekommen wäre. Er akzeptierte sein Leben so wie es war und machte nicht viel Aufhebens darüber. So hatte ich ihn immer erlebt und so hatte ich ihn immer geschätzt. Ich hatte mit ihm viele wunderbare Stunden erlebt, gerade in dieser Einfachheit und ich hatte ihn auch in ganz traurigen komischen Momenten gesehen, wo er unbeholfen dem Leben gegenüberstand, ohne dass er gewusst hätte, wie er damit umgehen sollte. Das hatte ich einmal mitbekommen, als seine kleine Tochter wieder einmal ein Wochenende bei ihm war. Immer ging er mit ihr in die Konditorei und fragte sie andauernd, ob sie noch einen Kuchen haben wollte oder er saß in einem Gasthaus und hätte ihr am liebsten fünf Brezen und drei Paar Frankfurter bestellt. In solchen Augenblicken war Walter völlig überfordert. Damit konnte er nicht umgehen, wusste nicht wie er sich da verhalten sollte. Das waren ganz traurige Erlebnisse, wenn Walter so hilflos neben seiner Tochter saß und nicht wusste, was er mit ihr anfangen sollte. Gott sei Dank war da seine Mutter, die sich um das Mädchen kümmerte und Walter diese Last abnahm, denn für Walter war es eine Last. Das war nicht seine Welt.

Einmal, Walter ging schon auf die fünfzig zu, nahm ich an einer Geburtstagsfeier teil. Walter trank aber den ganzen Abend nichts. Er war vorher in Haller Psychiatrie auf Entwöhnung gewesen und sollte es tatsächlich zustande bringen drei Jahre trocken zu bleiben. Von seiner Firma wurde ihm dieser Entzug nahegelegt. Nach diesen drei Jahren setzte er aber wieder dort fort, wo er vorher aufgehört hatte. Es folgten neuerlich zwei Aufenthalte auf der Entwöhnungsstation, wo er das letztemal Helene kennenlern sollte. Helene war dort, um sich wegen ihrer schweren Depressionen behandeln zu lassen. Helene und Walter verliebten sich im Raucherzimmer der Station ineinander.

Als ich walter mit seiner Freundin auf der Straße zufällig traf, glaubte ich zuerst meinen Augen nicht zu trauen, denn Helene schaute wirklich ganz hervorragend aus und war zudem eine kluge gescheite Frau.

Ich traf die beiden regelmäßig, weil ich in der Zwischenzeit auch wieder in Zirl im Haus meiner Eltern lebte. Trotz dieser neuen Liebe trank Walter nicht viel weniger als vorher, aber Helene schien das weiter nicht zu stören. Sie war glücklich mit ihm.

In seiner Firma, wo er bereits über zwanzig Jahre beschäftigt war, hatten sie Probleme mit dem Absatz und darum mussten einige Mitarbeiter entlassen werden. Auch Walter wollte man los werden, was aber nicht so einfach war, weil er schon so lange bei der Firma war und seine Arbeit und auch sein Einsatz, trotz sener Trinkereien in Ordnung waren. Abgesehen von seinen Krankenständen wegen der Entziehung war Walter in all den Jahren nie krankgemeldet. In der Abteilung verlangte man nun von ihm, dass für ihn striktes Alkoholverbot gelten würde, was Walter auch einigermaßen einhielt. Grundsätzlich hatte Walter mit seinen Mitarbeitern all die Jahre ein gutes Verhältnis, nur mit einem neuen jungen Kollegen, der aus Sri Lanka stammte, gabs immer wieder Probleme, weil dieser Walter immer wieder üble Streiche spielte. Dieser machte sich einen Spaß daraus, Walter mit allerhand Blödheiten auf die Schaufel zu nehmen. So kehrte er zum Beispiel die Werkshalle zusammen und leiß den ganzn Dreck unter Walters Werkbank liegen. Einmal leerte er den Inhalt aller Aschenbecher in Walters Schublade, worauf Walter durchdrehte und ihm drohte, dass er ihn das nächstemal erschießen würde. Innerhalb von zwei Stunden war Walter entlassen.

Bald darauf erhielt er auch von der Gendarmerie die Aufforderung, seine Pumpgun, die er ordnungsgemäß angemeldet hatte, auf der Dienststelle abzugeben. Das traf ihn genau so hart wie die Entlassung. Mit einer elektrischen Eisensäge zerschnitt er seine Pumpgun in Einzelteile, die alle nicht länger als fünf Zentimeter waren. Diese packte er in eine Plastikhandtasche und brachte sie zur Polizeistation, die er in seiner Blue jeans und seinem Parka wie ein geschlagener Hund verließ.

Mit Helene fuhr er immer wieder zum Arbeitsamt. Man vermittelte ihm einen Arbeit in einem Holzsägewerk, wo er aber nicht lange blieb, ehe man ihn in ein Sozialhilfeprojekt steckte, wo er es aber nicht lange aushielt.

Man riet ihm um die Pensionierung anzusuchen. Bei einer Routineuntersuchung wurde ein Tumor in der LUnge festgestellt. Er wurde sofort operiert und kam ins Krankenhaus nach Natters, wo er zwei ehemalige Arbeitskollegen aus der Kondensatorenfabrik wieder traf. Walter war ein starker Raucher gewesen, aber ein behandelnder Arzt meinte, dass die Krankheit vor allem mit den starken Dämpfen von damals in Zusammenhang stünden. Seine Kollegen waren nämlich keine Raucher und hatten dieselbe Diagnose.

Die Pensionierung ging ohne weiteres durch. Walter hatte nur noch wenige Monate zu leben. Helene war immer bei ihm. Stundenlang lagen sie zusammen im Bett oder er saß mit seinen beiden Frauen in der Küche und löste Kreuzworträtsel. Im Krankenhaus hatte er begonnen Kreuzworträtsel zu lösen.

An einem Wochenende hatte er einen schweren asthmatischen Anfall. Sein Hausarzt hatte keinen Wochenenddienst. Darum riefen sie den Notarzt. Dieser ließ ihn sofort ins Krankenhaus bringen, wo er in den Armen von Helen verstarb.

 

Da Walter aus der Kirche ausgetreten war, läuteten auch keine Kirchenglocken zu seinem Begräbnis. Trotzdem kamen viele Leute zu seiner Verabschiedung in die Aufbahrungshalle. Wir alle hatten mit den Tränen zu kämpfen, als wir Walters Sarg mit einem Porträtfoto von ihm, seine Mutter und Helene daneben stehen sahen. Ein alter Freund von mir legte den Arm um mich. Er bekannte sich seit vielen Jahren zum Buddhismus, dem er sich ganz verschrieben hatte. Er sagte zu mir: „Walter geht es gut, denn er war sein Lebtag die Ehrlichkeit.“

Nach dem Tod von Walter besuchte Helene die Mutter von Walter weiterhin täglich. In Erinnerung an Walter hatte die Mutter, das Feuerzeug und das letzte Kreuzworträtselheft von Walter am Küchentisch liegen lassen. Dieses Bild machte Helene jeden Tag von Neuem zu schaffen, bis sie nach Monaten die Mutter bat, beides weglegen zu dürfen. Die Mutter war damit einverstanden. Fast ein Jahr nach dem Tod von Walter, war Helene wieder auf Besuch bei der Mutter und da sagte sie zu Helene: „Jeden Tag sehe ich euch zwei vor mir wie ihr aus dem Zimmer kommt, beide ein fröhliches Lächeln auf dem Gesicht. Dieses Bild hat mich die ganze Zeit getröstet und mir Mut gemacht.“

 

 

 



   Der Österreicher und das Paradies

 

Nirgendwo sonst auf der Welt wird so sehr ans irdische Paradies geglaubt wie in Österreich. Auch wird nirgendwo sonst, so häufig darüber gesprochen wie hierzulande. Beinahe jedes Gespräch in Österreich landet früher oder später beim „Paradies“, wobei mit „Paradies“ die Pension gemeint ist, denn für jeden Österreicher ist die Pension das Paradies.

Steht zum Beispiel jemand noch einige Jahre vor seiner Pensionierung,  dann kommen unweigerlich folgende Fragen: „Wie lange hast du noch?“, oder „lange kannst du nicht mehr haben?“.

Gibt  jemand in diesem Gespräch zur Antwort: „Ich habe noch ein paar Jahre“, dann heißt es mit einem Lächeln: „Ginge es nach deinem Aussehen, dann müsstest du aber schon längst in Pension sein“, und weiter wird gewitzelt: „Wirf deine Papiere weg und du kriegst die Pension noch für einige Jahre rückwirkend angewiesen.“

Das gesamte Leben des Österreichers dreht sich um seine Pension, um seinen Pensionsantritt. Ziel eines jeden Österreichers ist es, dieses möglichst früh zu erreichen und wenn es einmal erreicht ist, dort so lange wie nur irgendwie möglich auszuharren.

Nach der Geburt ist der Pensionsantritt das Einschneidenste Ereignis im Leben eines Österreichers. Kaum wird bekannt, dass ein Österreicher seinen Pensionsbescheid erhalten hat, dann hagelt es von allen Seiten Glückwunschtelegramme. Oft wildfremde Menschen steuern dann auf einen zu und gratulieren, schütteln einem kräftig die Hand. Einige fallen einem überhaupt um den Hals: „Gratuliere, gratuliere“, heißt es freudestrahlend mit dem Zusatz, „jetzt hast du es endlich geschafft.“

Der am häufigsten verwendete Satz jedes Österreichers, solange er noch nicht in Pension ist, lautet: „Wenn ich erst einmal in Pension bin, dann ...“ In diesen Worten schwingt so viel Sehnsucht mit, wie in keinem anderen österreichischen Satz.

Geht der Österreicher in Pension, dann begibt er sich zumeist auf einen mehrwöchigen Urlaub. Kreuzfahrten sind dabei sehr gefragt, oder sie erwerben sich überhaupt gleich einen Wohnwagen. Nach diesen ersten Aktivitäten beginnt dann aber der harte Alltag eines Pensionisten.

Ab diesem Zeitpunkt steht dann die Vertreibung aus dem Paradies ganz im Mittelpunkt, denn jedem österreichischen Pensionisten ist mit dem Eintritt in die Pension klar, dass diesen Lebensabschnitt keiner überlebt. Darum steht die Gesundheit im Mittelpunkt. „Nur nicht krank werden“, lautet die Devise.

Die neuen Zauberworte sind ab jetzt Gewichtsverlust und Bewegung, in deren Bann alle gefangen sind. Lange Spaziergänge stehen täglich am Programm und abends werden Vorträge über gesunde Ernährung besucht oder im Fernsehen angeschaut. Jeder will bis ins hohe Alter gesund bleiben, denn schließlich will man von der Pension auch noch etwas haben. Nicht umsonst hat man sich jahrzehntelang den Arsch aufgerissen und seine Beiträge geleistet. Der letzte, dem man etwas schenken will, ist schließlich der Staat, der es mit einem ohnehin nie gut gemeint hat.

Trifft man als Pensionist beim Spaziergang auf einen anderen Pensionisten, dann verlaufen die Gespräche in etwa so:
A: „Auch unterwegs?“
B: „Man muss in Bewegung bleiben.“
A: „Wer rastet, der rostet.“
B: „Richtig. Wir sind nicht mehr die Jüngsten.“
Nach diesem belanglosen Eingangsdialog gehts dann sofort zur Sache.
„Und, wie gehts?“
Dieses „und wie gehts?“ ist eigentlich eine sehr hinterhältige Frage, denn es steckt die Absicht dahinter, herauszufinden, ob das Gegenüber bereits schwächelt. Natürlich ist das dem geborenen Österreicher völlig klar und darum antwortet er ausweichend mit einem „danke“, oder ein wenig ausführlicher mit, „danke der Nachfrage“, oder „danke, es läuft.“
Damit ist einerseits die Frage beantwortet und andererseits nichts gesagt. Das ist ja auch der Sinn dieser Aussagen.
„Das Wichtigste im Leben ist die Gesundheit“, heißt es daraufhin und, „man muss froh sein, wenn man jeden Morgen aus dem Bett kommt.“ Dies wird von der anderen Seite vollinhaltlich bestätigt:
„Ohne Gesundheit ist man aufgeschmissen.“

Natürlich kann ein Gespräch zwischen B Pensionisten nicht auf diese langweilige, nichtssagende Art und Weise enden. Schließlich wollen auch Pensionisten Neuigkeiten und kleine Sensationen erfahren und austauschen. Darum folgt die Abkehr von den eigenen Befindlichkeiten und man schwenkt auf die anderer ab.
A: „Hast du vom Toni schon gehört?“
B: „Nein, was ist mit dem Toni?“
A: „Heute Nacht. Schlaganfall.“
B: „Wirklich. Grad gestern bin ich ihm noch über den Weg gelaufen.“
A: „Ja, so schnell kann es gehen.“
B: „Und. Schlimm? Wie schauts aus?“
A: „Halbseitig gelähmt. Wer weiß, ob er wieder auf die Beine
         kommt.“

Solche Botschaften gehen jedem Pensionisten unter die Haut, weil man selbst immer gewahr sein muss, dass es einen zu jeder Stunde erwischen kann. Darum werden solche Horrormeldungen auch gleich etwas relativiert.
A: „Der Toni hatte vor Jahren schon einmal einen Herzinfarkt.“
B: „Besonders gesund gelebt hat er ja nie.“
A: „Übergewicht und kaum Bewegung.“
B: „Und geraucht hat er auch wie ein Schlot.“
A: „So etwas kann auf Dauer nicht gut gehen.“
B: „Schon gar nicht in unserem Alter.“
A: „Er hat sich nichts geschenkt.“

Da sich der österreichische Pensionist natürlich gewahr ist, in welchem gefährlichen Lebensabschnitt er sich befindet, geht der Dialog dann folgendermaßen weiter.
A: „Eines Tages erwischt es jeden.“
B: „Natürlich. Die Pension ist der letzte Abschnitt.“
A: „Aber noch wäre es ein wenig zu früh.“
B: „Zu früh ist es für den Betroffenen immer.“
A: „Schon. Aber noch möchte ich etwas von der Pension haben, denn          dem Staat schenke ich nichts. Er hat mir auch nie etwas              geschenkt.“

Damit ist jener Punkt erreicht, wo es um die lebenslangen Leistungen des österreichischen Pensionisten geht, die in der Anzahl der erworbenen Versicherungsmonate seinen Ausdruck findet.
A: „Wir haben lange genug eingezahlt. Ich komme auf nicht weniger          als 540 Versicherungsmonate. Das müssen die heutigen Jungen          erst einmal zusammenbringen.“
B: „Dieses Gesudere der heutigen Jungen, dass wir ihnen die
         Zukunft stehlen, kann ich nicht mehr hören.“
A: „Sie haben ja gar keine Ahnung, mit welchen Entbehrungen wir          aufgewachsen sind. Und wir sind mit fünfzehn in die Arbeit, da bist          du dann mit sechzig am Arsch.“
B: „Heute gehen alle studieren und fangen frühestens mit dreißig zu          arbeiten an. Da kann man nicht erwarten, dass man dann mit          sechzig abhauen kann. Da fehlen ja die Zeiten.“

Als die wahren Meister der frühen Pension gelten in Österreich die Eisenbahner. So kursiert heute noch der Witz, dass der österreichische Eisenbahner mit seinem Antrag zur Aufnahme in die Österreichischen Bundesbahnen auch seinen Antrag zu Pensionierung ausgehändigt bekommt.
Natürlich ist der Eintritt ins gelobte Land für die Eisenbahner nicht mehr so einfach wie früher. Trotzdem zählen sie – zumindest in den breiten Bevölkerungsschichten – als die Privilegienritter schlechthin. Früher war es gang und gäbe, dass die Eisenbahner mit 48 Jahren in Pension gingen. Aber nicht nur bei den frühen Eintritt ins Paradies waren sie ehemals Weltmeister, sondern auch bei der Lebenserwartung schlugen sie jede ander Berufsgruppe weit aus dem Feld. Wenn in der Tageszeitung die Parte eines Hundertjährigen erschien, dann konnte man mit Sicherheit davon ausgehen, dass er bei den Österreichischen Bundesbahnen sein Berufsleben verbrachte. Zumeist ist es bei den Eisenbahnern immer noch so, dass sie im Schnitt länger in Pension sind, als sie im Arbeitsprozess standen, wobei der Begriff Arbeit in diesem Zusammenhang nicht unbedingt treffend erscheint. Zumindest die landläufige Meinung.

Einmal habe ich beim Spaziergang einen Eisenbahner getroffen, der um Jahre jünger war als ich und schon seit vielen Jahren in Pension war. Er erzählte mir Folgendes: „Ich habe als Lehrling mit fünfzehn bei den Österreichischen Bundesbahnen zu arbeiten begonnen. Also hätte ich mit fünfzig in Pension gehen können. Bevor es aber so weit war, haben diese Dreckskerle der Regierung das Antrittsalter auf fünfundfünfzig angehoben. Diese Sauerei muss man sich vorstellen. Aber nicht mit mir. Gutwilligerweise habe ich noch zwei Jahre drangehängt und bin mit zweifünfzig abgehauen. Dann war Schluss.“
Als mir der Bekannte dies erzählte, konnte ich nur mitfühlend nicken. Wir beide schauten uns verständnisvoll an, ehe er anfügte: „Als ich bei der Bahn angefangen habe, war das noch etwas ganz anderes als heute. Das Tempo bei der Arbeit hat sich so massiv erhöht, dass jeder Zweite in einem Burn-out landet. In meinen ersten Berufsjahren haben die damaligen Alten noch lange Pausen eingelegt und uns Junge an die Arbeit geschickt. Wir haben das unwidersprochen hingenommen. Als ich dann alt war, gab es kaum noch Pausen. Wenn es eine gab, und wir die Jungen zur Arbeit anhalten wollten, dann haben die uns den Stinkefinger gezeigt. So haben sich die Zeiten geändert.“

Für jeden Pensionisten gibt es als tägliche Pflichtlektüre die Tageszeitung. Darin interessieren den österreichischen Pensionisten vor allem die Todesanzeigen. Wenn der österreichische Pensionist zu den Todesanzeigen blättert, dann sagt er zu seiner Frau: „Ich muss nachschauen, wer sein Abonnement gekündigt hat.“

Todesanzeigen enthalten in der Regel drei Informationen, die von größter Bedeutung sind. Da sind einmal das Alter des Verstorbenen, dann der Berufsstand und schließlich die Ursache für das Ableben. „Nach kurzer schwerer Krankheit“, deutet auf Herzversagen hin, „nach langer, schwerer, mit Geduld ertragener Krankheit“, lässt Krebs vermuten.

War der Verstorbene noch berufstätig, dann denken die Pensionisten reflexartig: Schade um die geleisteten Versicherungsbeiträge, die der Verstorbene umsonst eingezahlt hat, jedoch andererseits hervorragend für die Pensionsversicherung, also für ihn, denn diese spart sich eine Menge Geld.

War der Verblichene bereits in Pension, dann wird sofort nachgerechnet, wie lange dieser in Pension war, ausgehend vom Durchschnittsalter, in dem der Österreicher ins Paradies übersiedelt, also mit 58 Jahren.
Der österreichische Pensionist ist ein guter Rechner. So weiß er auch, dass die eingezahlten Pensionsbeiträge durchschnittlich nach zehn Jahren aufgebraucht sind. Stirbt also ein Pensionist mit achtzig Jahren, dann kommt dem Pensionisten sofort in den Sinn, dass er zumindest zwölf Jahre auf Staatskosten gelebt hat.

Häufig kämpfen Menschen jahrelang um die Zuerkennung einer Pension. Sie erhalten abschlägige Bescheide, werden von einem Arzt zum nächsten geschickt, müssen Klage bei Gericht erheben und erhalten dennoch nur Ablehnungen. Das ist natürlich ein beliebtes Thema an den Stammtischen. Da kann man dann Folgendes hören: „Was diese Bürokraten anrichten, passt auf keine Kuhhaut mehr. Jetzt hat der Herr Sowieso schon wieder eine Ablehnung erhalten. Das ist der Dank des Staates dafür, dass man sich seine Gesundheit ruiniert hat. Jeder dahergelaufene Ausländer erhält eine Pension auf Anhieb und ins jeweilige Land überwiesen, aber unsere armen Hunde schauen andauernd durch die Finger.“, dass der Kuchen immer kleiner wird, je mehr daran knabbern.

Am liebsten wären natürlich alle Österreicher lebenslang, also von Geburt an in Pension, aber das ist leider nicht möglich, denn die Österreicher wissen auch, dass es keine Pension mehr gibt, wenn erst einmal alle Österreicher in Pension sind. Schließlich können nicht alle Österreicher im Paradies leben. Das geht sich nicht aus.

Aus dem Paradies vertrieben wird jeder Pensionist durch sein Ableben. Darum schwebt über jeden Paradiesbewohner das Damoklesschwert des Todes. Den Österreichern wird ja auch ein besonderes Naheverhältnis zum Tod nachgesagt. Darum wird diesem Thema sehr häufig mit schwarzem Humor begegnet. So meinte kürzlich ein Leichenbestatter ganz trocken: „Wenn das mit der rasanten Zunahme der Feuerbestattungen so weitergeht, dann sterben die Friedhöfe eines Tages noch aus.“

Einmal hat ein anderer Pensionist am Stammtisch erzählt, dass er schon seit vielen Jahren, wenn er sich ins Bett legt, darum bete, dass er, wenn es so weit ist, einfach umfällt und auf der Stelle tot ist. Das wünscht sich der Großteil der Pensionisten. Nur wenigen ist es vergönnt. Interessanterweise starb der vorher erwähnte Pensionist dann auch wirklich auf diese Art und Weise.

Ein anderer österreichischer Pensionist verfügte ebenfalls über eine Menge schwarzen Humors, denn nachdem ihm ein Bein abgenommen wurde, meinte er in feuchtfröhlicher Runde: „Mein linkes Bein ist mir bereits ins Grab vorausgeeilt.“

 

 

c Elias Schneitter





 

Die Saisonkarte

 

 

Das öffentliche Schwimmbad in unserer Gemeinde liegt keine fünf Gehminuten von unserem Haus entfernt. Diese Nähe der Badeanstalt schätzte meine Mutter sehr, weil sie sich deshalb im Bademantel und mit Badetasche auf den Weg dorthin machen konnte. Meine Mutter gehörte zu den Stammgästen in der Badeanstalt. Täglich um neun am Morgen – sofern es das Wetter erlaubte – marschierte sie los in die Badeanstalt, duschte sich zu allererst ausgiebig, um dann genau eine halbe Stunde im Wasser zu verbringen, wo sie gemächlich ihre Längen abspulte. Nachher unterhielt sie sich mit den anderen Stammgästen und dem Personal und kehrte frisch und munter gegen halb elf nach Hause zurück. Auch an Tagen, wo das Wetter nicht besonders war, ließ sich meine Mutter nicht abhalten, die Badeanstalt aufzusuchen. Meine Mutter gehörte der Kriegsgeneration an und war einiges gewöhnt. Machte sie ihre Längen, dann konnte es schon vorkommen, dass der Bademeister wegen der ungemütlichen Wassertemperaturen verschmitzt meiner schwimmenden Mutter zurief: „Tua ma nit dersaufn, weil i kann die nit retten.“

Selbst wenn es so kalt war, dass an Schwimmen nicht zu denken war, ging meine Mutter trotzdem ins Schwimmbad,  weil sie sich dort zumindest duschen konnte, denn schließlich hatte sie sich eine Senioren Saisonkarte gekauft und die sollte entsprechend genutzt werden. Außerdem konnte sie dadurch zuhause Warmwasser sparen und die Stromrechnung kleiner halten. Es kam sogar einige Male vor, dass sie an Tagen zur Badeanstalt kam, wo diese wegen des schlechten Wetters geschlossen war. Das konnte meine Mutter nicht verstehen, denn schließlich hatte sie eine Saisonkarte. Darum passierte es, dass sie nach Hause ging und im Bürgermeisteramt anrief und nachfragte, warum das Schwimmbad nicht geöffnet wäre. Die Angestellten müssten ohnehin bezahlt werden und außerdem wäre Sommer und sie wäre vor verschlossenen Toren gestanden, obwohl sie eine Saisonkarte besäße.

 

Die Eintrittspreise für die Badeanstalt unserer Heimatgemeinde waren mehr als sozial gestaltet. Es gab Saisonkarten für Kinder, Studenten, Behinderte und natürlich auch für Senioren. Zusätzlich wurden noch eine Morgen und eine Abendkarte angeboten. Auch für Pensionisten. Die Morgenkarte erlaubte die Benützung des Bades bis Mittag und kostete € 31,-- die Abendkarte hatte ihre Gültigkeit ab 17 Uhr und kostete überhaupt nur € 18,--. Der Grund für den Preisunterschied, vermutete meine Mutter darin, lag darin, dass am Abend das Wasser nicht mehr die Frische und Qualität des Morgens aufwies. Jedenfalls gelang meiner Mutter und einigen anderen Senioren – vorwiegend Frauen – ein ganz besonderer Deal. Sie konnten beide Kassiererinnen persönlich, luden diese hin und wieder zu einer Tasse Kaffee im Schwimmbadrestaurant ein, natürlich nicht ohne Hintergedanken. So erreichten sie jedenfalls, dass sie als arme Pensionistinnen eine Morgensaisonkarte erhielten, aber diese zum Tarif des Abendabonnements. Einfach gesagt, die beiden Kassiererinnen händigten meiner Mutter und einigen anderen Stammgästen eine Abendkarte aus, kassierten dafür eine Abendsaisonkarte und ließen die Damen trotzdem am Vormittag passieren. Das ging einige Jahre so.

 

Traditionellerweise wurde das Schwimmbad am ersten Sonntag im Mai aufgesperrt. Also am Muttertag. Einmal hatte ich die glorreiche Idee, ich könnte Mutter zum Ehrentag meiner Gebärerin eine Saisonkarte spendieren. Damit ich diese Saisonkarte bereits am Muttertag vorrätig hatte, ging ich ins Bürgermeisteramt und besorgte mir eine Morgensommersaisonkarte für die Badeanstalt. Preis € 31. Zum Muttertag – übrigens an jenem Tag schneite es bis auf fünfhundert Meter herunter (also auch bis zum Schwimmbeckenrand) – und überreichte ich voll Stolz meiner Mutter das Geschenk am wichtigsten Tag des Jahres. Zumindest was Mütter und Söhne betrifft.

Ihre erste Frage lautete: „Wie viel hast du bezahlt?“

Meine Antwort: „Das ist keine Thema. Das ist ein Geschenk.“

Dann klärte mich Mutter auf. Da sie von mir in Gelddingen keine hohe Meinung hatte, war sie vollkommen überzeugt, dass ich den vollen Preis bezahlt hätte.

Mutter: „Hast du die Karte im Gemeindeamt gekauft?“

Ich: „Wo sonst? Das Schwimmbad öffnet ja erst am Muttertag. Und bei den heutigen Schneeverhältnissen wäre ein Ankauf im Schwimmbad nicht möglich.“

Damit war für Mutter alles klar. Ihr verblödeter Sohn zahlte den Vollpreis, obwohl es eine günstigere Variante gegeben hätte. Dieser Idiot. Damit war natürlich ich gemeint. Mutter regelte das auf ihre Weise. Bei ihren Freundinnen konnte sie nur Zustimmung ernten. „So weit kommt es noch, dass wir die Gemeinde finanzieren. Die holen sich von uns ohnehin Steuern mehr als genug.“

Jedenfalls erhielt Mutter von einer Kassiererin die Differenz rückerstattet, worauf Mutter einen Capuccino im Cafe springen ließ. Hier ging es ja nicht um das Geld, sondern ums Prinzip. Davon war sie völlig überzeugt und überzeugte davon auch die milde lächelnde Kassiererin.

 

Unter den Stammgästen der Badeanstalt gab es auch immer wieder Reibereien, kleinere Streitereien. Einmal ging ich mit meiner Mutter spazieren und eine Frau kam uns entgegen. Als uns diese näher kam, sagte meine Mutter in forschem Ton zu mir: „Diese Frau wird von uns nicht gegrüßt.“

Ich fragte unschuldig: „Darf man wissen, warum?“

Meine Mutter mit steinerner Miene: „Das ist die Querschwimmerin von der Badeanstalt.“

Ich, erstaunt: „Sie ist was?“

„Eine Querschwimmerin.“

Dann weihte mich Mutter in die Geschichte ein. Mit dieser Frau war sie sich in die Haare geraten, weil sie fast jedes Mal, wenn meine Mutter ihre Längen schwamm, ebenfalls ihre Runden drehte, aber quer. Nicht der Länge nach, sondern der Breite nach.

„Sie kann nicht, wie jeder normale Mensch, in eine Richtung schwimmen, nein, sie muss quer gegen uns schwimmen.“

„Unglaublich“, sagte ich.

„Ich hab es sie schon einige Malle wissen lassen, im und außerhalb des Beckens. Außerdem ist sie überhaupt eine Querulantin. Kein Mensch mag sie im Schwimmbad.“

 

Zu jener Zeit gehörte ich auch noch dem Gemeinderat unseres Dorfes an. Einmal hatten wir unter „Vertrauliches“ ein für mich schwieriges Problem zu behandeln. Da ich im Vorfeld aus Zeitgründen nicht an der Vorbesprechung im Parteiclub teilnehmen konnte, war ich über die zu behandelnden Punkte nicht entsprechend informiert. Wäre ich informiert gewesen, dann hätte ich es vorgezogen, mich für diese Gemeinderatssitzung zu entschuldigen. Bei diesem Tagesordnungspunkt ging es um die Badeanstalt. Der Bürgermeister führte aus, dass es im Schwimmbad beim Verkauf der Saisonkarten Unregelmäßigkeiten gäbe. Dahingehend wäre bei ihm  vorgesprochen worden. Es wären Morgenkarten für den Preis von Abendkarten verkauft worden. Die Kassiererinnen hätten das nach langem Hin und Her auch eingestanden.

Im Gemeinderat ging es darum, wie man diese Angelegenheit regeln sollte. Der Bürgermeister sagte etwas von disziplinären Maßnahmen für die beiden Kassiererinnen. Während er seine Ausführungen machte, schaute er – zumindest kam es mir so vor – fast die ganze Zeit zu mir herüber. Ich wäre am liebsten unterm Tisch gekrochen. Zu meiner Ehrenrettung möchte ich sagen, dass ich natürlich gegen disziplinäre Maßnahmen stimmte und der restliche Gemeinderat diese Sache auch so sah, sodass die armen Kassiererinnen nicht auch noch unschuldig zum Handkuss gekommen wären, denn gegen eine Horde von Pensionistinnen ist man hilflos, wenn es um Vergünstigungen bei Saisonkarten geht. 

 

Gleich am nächsten Tag redete ich auch mit meiner Mutter und dass ich in den nächsten Jahren die Saisonkarten besorgen würde und zwar die Morgenkarte zum Preis der Morgenkarte, weil ich mir als Gemeindepolitiker so eine Blamage nicht leisten könnte. Mutter schien das nicht weiter zu beschäftigen.

Sie sagte bloß: „Das geht sicher auf das Konto der Querschwimmerin. Aber warte nur, die wird nicht mehr lange in unserer Badeanstalt in die falsche Richtung schwimmen.“

Daraufhin sagte ich nichts mehr.

 

c E. Schneitter 

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erchienen bei: Stadtlichter Presse Hamburg

 

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